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Als PiA in Corona-Zeiten

von Maximilian Schleicher
  • 13. Juli 2020

Aufatmen, Durchatmen. Mit oder ohne Maske. Das ist den Ausbildungskandidaten und Ausbildungskandidatinnen in der psychotherapeutischen Lehrpraxis freigestellt. Es war Anfang April und absehbar, dass die verhängten Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht weiter an Schärfe zunehmen würden. Die Erleichterung hierüber ließ sich bei Patienten und Therapeuten gleichermaßen erkennen, ob sie nun Maske trugen oder nicht. Auch würde keine Praxisschließung erfolgen, die psychotherapeutische Grundversorgung musste, so wurde entschieden, auch durch „systemrelevante“ PiA aufrechterhalten werden.

Die anfängliche Verunsicherung vieler Patienten löste sich in Dankbarkeit darüber auf, dass ihre Therapien weiterhin stattfinden würden, sie für einen festen Termin das Haus verlassen und ihre Sorgen teilen konnten. Die Video- und Telefonsprechstunde wurde mit einiger Verzögerung auch den PiA zugänglich gemacht und in der Lehrpraxis rasch installiert. Die Wahrung einer nicht selbstverständlichen „Normalität“ in besonderen Zeiten schaffte auch bei den Therapeuten emotionale Entlastung.

Die Folgen des Ausnahmezustands und die Angst vor einer möglichen Infektion fügen sich ganz unterschiedlich in die Krankheitsbilder der Patienten ein. Gemeinsam sind vielen die negativen Auswirkungen sozialer Isolation sowie Jobsorgen oder Jobverlust und damit ganz konkrete Geldnöte. Wie mir ein Patient berichtete, sei ich für ihn der einzige persönliche Kontakt, den er momentan aufgrund der Krise noch habe und er sei sehr dankbar für diese Möglichkeit. Insgesamt bleibt es beachtlich, wie gut die große Mehrzahl der Patienten mit den Einschränkungen umzugehen versteht.

Sorgen vor Arbeitsplatzverlust oder finanziellen Engpässen sind indes nicht nur Themen im Behandlungsraum, sondern auch unter den Ausbildungsteilnehmern. Viele PiA können von geleisteten ambulanten Psychotherapiestunden oder der praktischen Tätigkeit in der Klinik nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten und sind prekär beschäftigt. Sie müssen ganz unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen, um ihre Ausbildung und die von ihnen geleisteten ambulanten Behandlungsstunden zu finanzieren. Ein Umstand, den die Krise nur noch deutlicher zutage förderte.

Wie einige Ausbildungsteilnehmer berichteten, fühlen sich Kliniken sowohl durch die Ausbildungsreform als auch durch die Pandemie verunsichert und nehmen weniger PiA in Dienst, was die ohnehin schwierige Suche nach einem Klinikplatz weiter beeinträchtigt. Diese Ungewissheit darüber, wann, wie und zu welchen Konditionen die Ausbildung fortgesetzt werden kann, hat viele Ausbildungskandidaten bei ihrer Planung stark verunsichert und diese manchmal sogar fast unmöglich gemacht. Wie die Kolleginnen und Kollegen mit den Widrigkeiten der Ausbildung umgehen und trotz alledem wertvolle Arbeit leisten können, gerade und auch in der Krise, ist bemerkenswert. Glücklicherweise konnten für die Vermittlung von Lehrinhalten an unserem Institut Lösungen gefunden werden, sodass an dieser Stelle die Ausbildung weitergehen konnte. Andere Institute haben sich hiermit schwerer getan, wie man hört. Insgesamt erlebte ich den Umgang des Instituts, an dem ich selbst beschäftigt bin, mit der Krise wie auch an anderen Stellen als kulant und angemessen. Bei aller Tapferkeit und Hilfsbereitschaft, die PiA mit vielen anderen Menschen in der Krise teilen, für sie bleibt es ein entscheidendes Ziel, die teure Ausbildung in überschaubarer Zeit erfolgreich zu beenden.

Über den Autor

Maximilian Schleicher

Abschluss Master der Psychologie an der Uni Groningen in 2012, seit 2017 Ausbildungskandidat am IVT in Berlin.

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