FAQ für PiA

Ich bin PiA und meine Station/Klinik wurde wegen Corona geschlossen. Kann ich deshalb gekündigt werden?
Der Kündigungsschutz als PiA hängt stark vom Wortlaut Ihres Vertrags ab. Wenn Sie Probleme mit einer angedrohten oder tatsächlichen Kündigung haben, können Sie sich an uns im bvvp (bvvp@bvvp.de) oder an Ihre Gewerkschaft wenden.
Welche besonderen Hygienemaßnahmen sind neben der Händedesinfektion bei der Behandlung von Kindern zu beachten und wie kann ich sie einhalten?

Das Therapie-Spielzeug sollte nach jeder Behandlung gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Alternativ können die Kinder eingeladen werden, ihr eigenes Spielzeug mitzubringen. Das Sandspiel sollte auf Grund der begrenzten Reinigungsmöglichkeiten aktuell ausgesetzt werden. Die empfohlene Abstandsregelung von mindestens 1,5m sollte so weit wie möglich eingehalten werden. All diese Maßnahmen müssen mit den Kindern altersgerecht in der Therapie besprochen werden. Weitere Hinweise und Tipps finden Sie auf den FAQ-Seiten des bvvp (Link: https://bvvp.de/corona-virus/ )

Bundesvorstandsmitglied Ariadne Sartorius hat ein hilfreiches Dokument dazu erstellt: Empfehlungen zur Ansteckungsvermeidung in KJP-Praxen.

Ich kann einige PatientInnen aktuell nicht behandeln, da sie die Hygieneregeln auf Grund ihres Alters nicht einhalten können. Was kann ich tun?

Gerade Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen brauchen in Krisenzeiten feste Bezugspersonen und ein vertrautes Umfeld. Deshalb sollten Sie versuchen, mit Ihrem Institut eine Möglichkeit zu finden, um die Behandlung fortzusetzen. Um Einzelsitzungen vorübergehend in Bezugspersonenkontakte umzuwandeln, stellt der bvvp eine Briefvorlage für die Krankenkassen bereit.

Was passiert, wenn ich meine Ausbildungsgebühren nicht mehr bezahlen kann?

Wenn Sie deutliche Einnahmeeinbußen durch die aktuelle Notsituation haben, sollten Sie das Institut um einen Zahlungsaufschub bitten. Die meisten Ausbildungsverträge sehen diese Möglichkeit in Ausnahmefällen vor.

Habe ich als PiA Anspruch auf eine Notbetreuung für meine Kinder in der Kita/bei der Tagesmutter?

Grundsätzlich ist die psychotherapeutische Tätigkeit eine „systemrelevante“ Tätigkeit, sodass Anspruch auf eine Notbetreuung besteht, auch wenn nur ein Elternteil im Gesundheitswesen arbeitet. Die konkreten Regelungen werden von den jeweiligen Landesministerien ausgestaltet, und gegebenenfalls wird ein Nachweis des Arbeitgebers (also des Instituts) gefordert, dass die Tätigkeit nicht im Homeoffice erbracht werden kann. Ein Argument kann dabei gegenüber dem Institut die Einhaltung von Abstinenz und Schweigepflicht sein. Darüber hinaus müssen die Kinder symptomfrei sein und dürfen keinen Kontakt zu infizierten Personen haben/gehabt haben.

 

Was kann ich als PiA tun, wenn ich wegen Corona Schwierigkeiten in meiner Ausbildung bekomme?

Die aktuelle Situation ist bisher einmalig, weshalb es auf viele Fragen keine eindeutigen oder allgemein gültigen Antworten gibt. Es ist nun umso wichtiger, dass Sie sich vernetzen und regelmäßig informieren.

Die Mitgliedschaft in einem Berufsverband bietet jetzt besonders viele Vorteile, da Sie regelmäßig per Email auf die neuesten Entwicklungen aufmerksam gemacht werden. Aber auch Facebook-, Mail- und WhatsApp-Gruppen können helfen, Erfahrungen auszutauschen und Argumente zu sammeln.

Mein Institut wurde wegen eines Verdachtsfalls (MitarbeiterIn in Quarantäne) geschlossen. Habe ich Anspruch auf einen Ausgleich, weil ich keine Behandlungen durchführen kann?

Wird der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt oder Quarantäne angeordnet, besteht grundsätzlich Anspruch auf Entschädigung (Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz). Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Da die PiA an ihren Instituten nicht immer angestellt sind, kann man nur empfehlen, das Institut darauf anzusprechen, welche finanziellen Einbußen Sie haben und wie Sie als PiA an den Entschädigungszahlungen beteiligt werden.

Ich mache die Zusatzqualifikation Gruppentherapie. Was kann ich tun?

Da die Psychotherapie-Richtlinie bisher keine Video-Gruppensitzungen erlaubt und es hier auch keine Sonderregelungen aufgrund der Corona-Krise gibt, ist die Fortführung der Zusatzqualifikation über diesen Kanal offiziell nicht möglich. Zur Überbrückung können Gruppen-Stundenkontingente ohne viel Aufwand in Einzelkontingente umgewandelt werden. Einige Institute ermöglichen die Präsenz-Durchführung unter verschärften Hygienemaßnahmen. Ob das für Sie und Ihre PatientInnen infage kommt, sollten Sie in der Supervision besprechen.

Der bvvp setzt sich für eine Sonderregelung ein, damit Gruppentherapien in dieser Zeit auch online durchgeführt werden können. Natürlich nur dann, wenn es mit den methodisch konzeptionellen Überlegungen vereinbar ist und der Aufrechterhaltung der Versorgung in einer extremen Ausnahmesituation dient.

Meine Station/Klinik wurde wegen Corona geschlossen. Kann ich die Stunden trotzdem für die Praktische Tätigkeit anrechnen lassen?

Bei den Stundenvorgaben für die Praktische Tätigkeit handelt es sich grundsätzlich um Präsenzzeiten. Das heißt jedoch nicht, dass bestimmte Tätigkeiten wie die Vor- und Nachbereitung von Therapien, die Überarbeitung von Konzepten und Therapiematerialien oder das Literaturstudium zwingend in der Klinik absolviert werden müssen. Bestimmte Tätigkeiten ohne Patientenkontakt wie das Üben von Testdiagnostik mit KollegInnen gehören zur Ausbildung dazu und sollten in der Klinik möglich sein.

Sie sollten sich rechtzeitig um individuelle Lösungen mit der Klinikleitung und dem Institut kümmern. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die jeweiligen Tätigkeiten für die PT anrechnen lassen können, sollten Sie alles umso sorgfältiger dokumentieren, um eventuell die Anerkennung für die „Freie Spitze“ zu erlangen.

Durch die aktuelle Situation habe ich deutliche Einbußen in meinen Einnahmen. Habe ich als PiA Anspruch auf staatliche Fördergelder?

Die Corona-Soforthilfe für Kleinstunternehmen und Soloselbstständige können nach Auskunft des BMWI/der Wirtschaftsbehörde Hamburg auch PiA beantragen, wenn die Praktische Ausbildung (Ambulanzstunden) beim Finanzamt als angemeldete Selbstständigkeit im Haupterwerb ausgeführt wird. Das heißt, dass mehr als 20 Wochenstunden in diesem Bereich gearbeitet werden und mehr als die Hälfte des Einkommens aus dieser Tätigkeit stammen müssen. Genauere Informationen zu den Anträgen finden sich auf den Seiten der Wirtschaftsministerien bzw. Wirtschaftsbehörden der Länder.

Es besteht die Möglichkeit, dass Kleinstunternehmer aus allen Wirtschaftsbereichen, Soloselbständige und Angehörige der Freien Berufe mit finanziellen Soforthilfen unterstützt werden. Dabei werden zum Beispiel Einmalzahlungen bis zu 9.000 € für drei Monate bei bis zu fünf Beschäftigten (Vollquarantäne) ausgezahlt. Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/E/eckpunkte-corona-soforthilfe.pdf?__blob=publicationFile&v=4.

In meinem Institut gibt es nicht genügend Computerarbeitsplätze oder die Internetverbindung ist regelmäßig überlastet. Was kann ich tun?

Für die Durchführung von Videosprechstunden braucht man in der Regel nur ein Smartphone, sodass die Nutzung privater Geräte in den Ambulanzräumen gestattet werden sollte. Die Überlastung der Internetverbindung betrifft im Moment auch die niedergelassenen KollegInnen. Leider scheint hier keine kurzfristige Lösung in Sicht. Einige Institute bieten das Ausweichen in Stern- oder Außenambulanzen an. Sie sollten hier das direkte Gespräch mit der Leitungsebene suchen.

Was muss ich bei der Videosprechstunde beachten?

Auch wenn die Ausbildungsinstitute keine Kooperationspartner der KV sind, ist es empfehlenswert, für die Videobehandlung einen von der KV zertifizierten Anbieter zu nutzen. Die aktuelle Liste der zertifizierten Anbieter findet sich auf den Seiten der KBV: (https://www.kbv.de/media/sp/Liste_zertifizierte_Videodienstanbieter.pdf).

Es ist klar, dass sich das Ausbildungsinstitut um einen passenden Anbieter kümmern muss und nicht die AusbildungsteilnehmerInnen. Wichtig ist auch hier immer die Einhaltung der Schweigepflicht und des Datenschutzes!

Darf ich während der Corona-Krise meine Supervision wahrnehmen?

Viele Institute haben in den letzten Wochen gute Erfahrungen mit Video-Supervision, auch im Gruppen-Setting, gemacht. Sprechen Sie mit Ihren AusbildungsleiterInnen und SupervisorInnen, um passende Lösungen zu finden. Zusätzlich empfehlen wir, auch darauf zu achten, Videoprogramme zu nutzen, die den allgemeinen Datenschutz einhalten. Sollten Sie in der Krise weiterhin ambulante Behandlungen ausführen, ist die regelmäßige Supervision zwingend erforderlich.

Durch die aktuelle Situation habe ich deutliche Einbußen in meinen Einnahmen. Habe ich als PiA Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich durch die KV?

Da die Ausbildungsinstitute keinen Vertrag mit der KV haben, können PiAs diesen Topf nicht nutzen. Deshalb sollten sich die Institute an ihre jeweiligen Vertragspartner wenden, wie zum Beispiel der Verband der Ersatzkassen, und sich dort nach einer Lösung erkunden.

Darf ich Video-Sitzungen auch von meinem privaten Rechner zu Hause durchführen?

Diese Frage wird von den einzelnen Länderkammern in der Berufsordnung geregelt, deshalb müsste man im Einzelfall auch dort nachlesen. Meistens ist die Behandlung von PatientInnen, auch per Video, grundsätzlich nicht von zu Hause aus erlaubt. 

„Grundsätzlich“ bedeutet aber immer, dass es Ausnahmen geben kann mit gutem Grund. Und ein solcher guter Grund ist definitiv gegeben beispielsweise bei Quarantäne der PsychotherapeutIn und Indikation der Fortführung einer notwendigen psychotherapeutischen Behandlung der PatientInnen.

Achten Sie gegebenenfalls darauf, dass Sie ungestört und Ihre privaten Räume geschützt sind.

Die Nutzung des privaten Rechners ist erlaubt, da die von der KV zertifizierten Video-Sprechstundendienste nichts auf dem Rechner speichern und die Übertragungen komplett verschlüsselt sind.

Als PiA ist hier jedoch auch zu beachten, dass, wie in der sonstigen ambulanten Behandlung auch, immer ein Ansprechpartner  kontaktierbar sein muss. Die Behandlungen der PiA werden ja „unter Aufsicht“ durchgeführt.

Darf ich als PsychotherapeutIn in Aus-oder Weiterbildung auch Videosprechstunden absolvieren?

Viele Institute haben keinen Vertrag mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, daher gelten die neuen Bestimmungen zur unbegrenzten Anzahl der Videosprechstunde während der Corona-Krise überwiegend für niedergelassene approbierte PsychotherapeutInnen. Dennoch haben viele Institute individuelle Vereinbarungen mit den Krankenkassen, sodass es sein kann, dass an Ihrem Institut Videosprechstunden möglich sind. Bitte setzen Sie sich mit Ihrem Institut in Verbindung!

Während der Corona-Krise habe ich als PiA viele Ausfallzeiten in meiner PT-Zeit, womit sich mein Ausbildungsende verzögert. Was kann ich tun?

Momentan können wir Ihnen nur raten, sprechen Sie mit Ihrem Institut und versuchen Sie, eine gemeinsame Lösung zu finden. Sobald es dazu konkrete Lösungen gibt, werden wir Sie hier informieren.

Ich bin in der Ausbildung in einem Institut. Aufgrund der Corona-Krise fallen meine Seminare aus. Was kann ich tun?

Einige Institute versuchen derzeit, Online-Seminare zu ermöglichen. Was konkret an Ihrem Institut möglich ist, sollten Sie mit Ihrem Institut besprechen.
Gibt es noch keine Lösungen, dann versuchen Sie, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Durch die Corona-Krise komme ich nicht auf die vorgegebene Fallstundenanzahl, damit ich zur Herbstprüfung zugelassen werde. Gibt es da einen Antrag, den ich stellen kann, um doch an der Prüfung teilzunehmen?

Derzeit können wir Ihnen nur raten, sprechen Sie mit Ihrem Institut oder mit Ihrem zuständigen Landesprüfungsamt.

Sobald es dazu konkrete Lösungen gibt, werden wir Sie hier informieren.

Darf ich als PsychotherapeutIn in Aus-oder Weiterbildung während der Coronakrise auch Telefonsprechstunden absolvieren?

Hier gilt dasselbe wie für Videosprechstunden: Da die meisten Institute keinen Vertrag mit der KV haben, sondern individuelle Vereinbarungen, gelten die Regelungen zur Telefonsprechstunde nicht automatisch auch für PiA. Lesen Sie hierzu auch die FAQ: Darf ich als PsychotherapeutIn in Aus-oder Weiterbildung auch Videosprechstunden absolvieren?

Ich bin Studierende mit dem Ziel Psychotherapeutin zu werden: Bekomme ich jetzt überhaupt noch BAföG, wenn meine Ausbildungsinstitutionen geschlossen haben?

Ja, sicher ist, dass Zuschüsse nach dem “BAföG auch durch die COVID-19-Pandemie bedingten Schließungen oder Einreisesperren weitergezahlt” werden, dazu finden Sie hier weitere Informationen.  Dazu gibt es auch eine Pressemitteilung des Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Von den Regelungen zur Eindämmung der Corona-Krise ist auch die ambulante Versorgung in den Institutsambulanzen betroffen. Macht sich der bvvp auch für uns dort tätige PiA stark?

Ja, der bvvp hat in einer einstimmig verabschiedeten Resolution auf seiner Frühjahrs-Delegiertenkonferenz vom 27. bis 28. März 2020, die dieses Jahr digital durchgeführt wurde, eine ganze Reihe von zeitlich begrenzten Ausnahmeregelungen gefordert, um die Versorgung psychisch kranker Menschen in der derzeitigen Corona-Krise zu sichern: Mit Nachdruck wurde in der Pressemitteilung gefordert, dass alle geforderten Regelungen äquivalent für die ambulante Versorgung durch PiA in den Institutsambulanzen getroffen werden müssen!

Dies verhindert, dass Patientinnen in dieser Krise unversorgt bleiben und dass sich die laufenden Ausbildungen durch die Corona-Krise verzögern. Hier tragen die Ausbildungsinstitute bei der konkreten Umsetzung eine besondere Verantwortung.

Die Forderungen des bvvp:

  • Alle psychotherapeutischen Leistungen, die derzeit per Videokonferenz erbracht werden können, müssen alternativ als Behandlung per Telefonat ermöglicht werden.
  • Als zwingend betrachten wir telefonische Kriseninterventionsmöglichkeiten, einen telefonischen Erstkontakt, stützende und orientierende telefonische Kontakte.
  • Die Akutbehandlung ist für die Videobehandlung freizugeben.
  • In der Behandlung von Kindern ist eine unbürokratische Möglichkeit zu schaffen, dass die Kinder-Behandlungsstunden per Anzeige an die Krankenkasse in Bezugspersonenstunden umgewandelt werden können.
  • Die bei PP und KJP notwendigen Konsiliarberichte zur Beantragung einer genehmigungspflichtigen Psychotherapie sollten angesichts der Überlastung der Hausarztpraxen und der dortigen Ansteckungsgefahr nachgereicht werden können.
  • Des Weiteren ist es dringend geboten, auch alle Gesprächsleistungen der GOÄ bzw. GOP per Videokonferenz und per Telefon für einen befristeten Zeitraum freizugeben.
Wir in Ausbildungsinstituten und Hochschulambulanzen tätigen PiA sind besonders von der Coronakrise betroffen. Wir wissen oft nicht, wie wir unsere Ausbildung fortführen können? Gibt es irgendwo Infos dazu?

Ja, die Regelungen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus betreffen auch und in besonderem Maße den Betrieb der Ambulanzen der Ausbildungsinstitute und Hochschuleinrichtungen. Wichtige Punkte, die zur Klärung von häufig gestellten Fragen dienen könnten, hat zum Beispiel die „Arbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Ausbildungsinstitute und Hochschulambulanzen für Psychologische Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in BW“ in einem Schreiben an Ausbildungsinstitute zusammengefasst. Darin geht es auch um Prüfungen und Supervisionen, die Weiterführungsbedingungen für Ambulanzen, um das Thema Honorarausfall für Ausbildungs- und HonorartherapeutInnen oder um Video-unterstützte Psychotherapie.

Auch der bvvp hat in einer Resolution, verabschiedet auf seiner Bundesdelegiertenkonferenz im März, eine besondere Berücksichtigung der PiA gefordert.