FAQ zur Praxisorganisation

Stimmt es, dass die Corona-Sonderregeln bis auf die Telefonkonsultation bis 30.09. verlängert wurden?
Ja, die 20-Prozent-Obergrenzen für Videobehandlungen bleiben ausgesetzt. Auch psychotherapeutische Sprechstunden, probatorische Sitzungen sowie probatorische Sitzungen in der Neuropsychologie sind weiterhin per Video möglich. Gruppentherapie kann weiterhin unbürokratisch in Einzeltherapie umgewandelt werden. Ab 1. Juli ist die Telefonkonsultation 01433 nicht mehr möglich! Die aktuelle Mitteilung der KBV vom 19.06.2020 können Sie hier lesen: KBV-Praxisnachrichten.  
Stimmt es, dass ab 01. Juli in Baden-Württemberg neue Regelungen zur Maskenpflicht und Gruppe gelten?

Ja, die Landesregierung Baden-Württemberg hat eine neu überarbeitete Corona-Verordnung erlassen. Durch diese Neufassung soll den landesweiten Lockerungen Rechnung getragen werden.
Wichtigste Punkte für Psychotherapeutoische Praxen:

Die bisherige Aufforderung zum Abstandhalten wurde in ein „allgemeines Abstandsgebot“ umgewandelt und festgeschrieben. Demnach ist zwischen 2 Personen grundsätzlich 1,50m Abstand zu halten.
Gruppen sind unter Einhaltung des allgemeinen Abstandsgebotes von 1,50m bis 20 Personen zulässig. Dies gilt damit selbstverständlich auch für psychotherapeutische Gruppen sowie Supervisionsgruppen.
Weiterhin Bestand hat die Maskenpflicht, wobei die bisherigen Ausnahmen für psychotherapeutische Praxen nun offiziell in §3, Abs.2 der Verordnung festgeschrieben wurden.
„Eine Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung besteht nicht … in Praxen …, sofern die Behandlung, Dienstleistung oder Therapie dies erfordert.“

Dies bedeutet, dass Sie in der konkreten Behandlungssituation unter Wahrung des Abstandes keine Maske tragen müssen. In allen anderen Praxisabläufen beziehungsweise wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, ist die Maske jedoch vorgeschrieben.

Den genauen Wortlaut der Verordnung können Sie hier nach:  Corona-Verordnung ab 1.Juli 2020.

 

 

Gibt es gutes Praxis-Material für meine PatIentinnen zu Hygiene, Maskenschutz und so weiter?
Für welche Leistungen können Praxen Ausgleichzahlungen erhalten?

Laut Information der KBV sieht das Gesetz dazu Folgendes vor:

  • Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) trotz reduzierter Leistungsmenge im regulären Umfang an die KVen aus. Sie müssen also genauso viel Geld für die Versorgung der PatientInnen bereitstellen wie zu „normalen“ Zeiten. Somit können Verluste, die die Praxen bei MGV-Leistungen erleiden, kompensiert werden.
  • Praxen mit Umsatzverlusten von zehn Prozent und mehr sowie einem pandemiebedingten Rückgang der Fallzahlen können außerdem einen Ausgleich für extrabudgetäre Leistungen erhalten.
    Vergleichszeitraum ist das jeweilige Quartal des Vorjahres. Welche Leistungen extrabudgetär bezahlt werden sollen, hat der Bewertungsausschuss beschlossen, und kann hier nachgelesen werden.
Gibt es einen Leitfaden, wie Qualitätszirkel per Videokonferenz durchgeführt werden?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat einen Leitfaden veröffentlicht, mit Tipps zu Planung, Durchführung und Nachbereitung für online durchgeführte Qualitätszirkel:

Qualitätszirkel online gestalten. Auch eine Checkliste ist dabei.

Wichtig ist auch hier der Datenschutz, vor allemn, da in QZ auch über Pateinten gesprochen wird. Die KBV schreibt dazu:

„Weisen Sie die Teilnehmenden explizit darauf hin, dass keine Namen oder Daten, insbesondere von Patien-ten oder nicht anwesenden Kollegen genannt werden, die eine Identifizierung der Person möglich machen. Dies dient dem Datenschutz.“

Man kann anzweifeln, ob das datenschutzrechtlich wirklich ausreicht. Um sicherzugehen, sollte man einen Anbieter wählen, der eine verschlüsselte Verbindung gewährleistet und keine Daten der TeilnehmerInnen oder Inhalte der Videokonferenz speichert.

Einen Einblick ins Thema und Überblick über verschiedene Anbieter gibt es zum Beispiel auf dieser Seite: www.datenschutz-notizen.de/ende-zu-ende-verschluesselung-von-videokonferenzen-1825597/

Gibt es Ausnahmeregelungen für die Private Krankenversicherung und die Beihilfe im Rahmen der Corona-Krise?

Update 06.07.2020: Die Abrechnungsempfehlung zur Videobehandlung wurde verlängert bis 30.09.2020, die Fristen für pandemiebedingte Telefonate und zur Berechnung aufwändiger Hygienemaßnahmen wurden nicht verlängert und gelten zunächst bis 31.07.2020. Bundesärztekammer Bekanntmachung Abrechnungsempfehlungen im Rahmen der COVID-19-Pandemie.

Bundesärztekammer, PKV-Verband und Beihilfekostenträger haben Anfang Mai 2020 gemeinsame Abrechnungsempfehlungen zur Analogabrechnung für die Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen und zu telemedizinischen Leistungen bei Erbringung im Rahmen der COVID-19-Pandemie beschlossen. Außerdem hat die Bundesärztekammer eine Abrechnungsempfehlung zur mehrfachen Berechnung der Nr. 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen erlassen, dies in Abstimmung mit dem PKV-Verband.

Die wichtigsten Punkte haben wir für Sie zusammengefasst: Coronaregelungen für PKV und Beihilfe

Die vollständige Bekanntmachung der Bundesärztekammer finden Sie hier: Bundesärztekammer Bekanntmachung Abrechnungsempfehlungen.

 

Gibt es lesenswerte Erfahrungsberichte von PsychotherapeutInnen zu ihrer Arbeit in der Corona-Pandemie?

Ja, die Bundespsychotherapeutenkammer BPtK hat einen sehr schönen Reader mit Erfahrungsberichten von PsychotherapeutInnen in den verschiedensten Settings erstellt:
BPtK Reader .

Alds KJP kann auch diese FAQ für Sie hilfreich sein: Gibt es inzwischen für KJP schon etwas wie einen Lagebericht – eine Art Auswertung der Arbeitsmöglichkeiten während der Pandemie?

Sie finden den Text, an dem auch der bvvp Vorstandsbeauftragte Jonas Göbel mitgewirkt hat, in der FAQ-Rubrik zu KJP.

Stimmt es, dass sich die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer gegen eine verbindliche Maskenpflicht für PsychotherapeutInnen ausgesprochen hat?

Ja das ist richtig, die OPK hat sich am 27. April diesbezüglich positioniert: Die Ostdeutsche PsychotherapeutInnenkammer (OPK)  hat gefordert, dass es im Ermessen der Psychotherapeuten bleiben muss, ob sie Mund-Nasen-Schutz in der Behandlung verwenden und dies von den Patienten verlangen.

Hier im Wortlaut:

„Mit Maske oder ohne – die Frage, die gerade so viele Gemüter bewegt, berührt auch den Kern unserer psychotherapeutischen Arbeit. Gesichtsausdrücke sind in direkter Kommunikation der wichtigste Indikator für Emotionen und Beziehungserleben. Durch Gesichtsbedeckung wird vor allem die emotionale Ebene der Kommunikation erheblich behindert – und damit die psychotherapeutische Arbeit erschwert. Dementsprechend haben uns in den letzten Tagen viele Fragen und – durchaus kontroverse – Anregungen aus dem Kollegenkreis erreicht.

Wie während der Pandemie schon gewohnt, gibt es im OPK-Gebiet regional unterschiedliche, manchmal kurzfristig geänderte Vorschriften. Wir möchten deshalb die fachliche Haltung darstellen, die wir als OPK gegenüber den regelnden Behörden vertreten.

Natürlich sollen und müssen auch Psychotherapeuten alle gebotenen und verhältnismäßigen Maßnahmen zum Infektionsschutz ergreifen. Es ist aber auch ihre Pflicht, geeignete und wirksame Behandlungen zur Heilung oder Linderung psychischer Störungen durchzuführen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, im Einzelfall abzuwägen und verantwortlich zu entscheiden.

Die Pflicht zum Mindestabstand und die potentiellen Vorteile von Mund-Nasenschutz (MNS) für die Verminderung von Infektionsrisiken wurden in der Öffentlichkeit hinlänglich kommuniziert. Aus psychotherapeutischer Sicht ist bezüglich der Verwendung von MNS zu berücksichtigen, dass

– die Einschränkung der Gesichtswahrnehmung den therapeutischen Prozess sowohl beim Therapeuten als auch beim Patienten behindern kann, z. B. indem affektive Reaktionen nicht         erkannt oder fehlgedeutet werden;

– insbesondere bei der Behandlung von Kindern die Beziehungsgestaltung, z. B. das Vertrauen in die Therapeutin, erschwert werden kann;

– ängstliche, vermeidende oder zwanghafte Reaktionsmuster, z. B. irrationale Risikobewertungen, bei Patienten verstärkt werden könnten;

– Patienten, die aus psychopathologischen Gründen keinen MNS tragen wollen, z. B. bei Angststörungen, von der Behandlung abgehalten werden könnten.

Die OPK fordert deshalb: es muss im Ermessen des/der einzelnen Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen bleiben, ob er/sie Mund-Nasen-Schutz in der Behandlung verwendet und dies von Patientinnen/Patienten verlangt. Daher nochmals: Gesundheit ist mehr als Infektionsschutz. Mit dieser Botschaft haben wir uns an alle unsere fünf zuständigen Ministerien gewandt – auch wenn aktuell eine entsprechende Verpflichtung für Praxen nur in Mecklenburg-Vorpommern besteht.

Gleichwohl setzen wir uns dafür ein, dass Sie auch in Thüringen und in Mecklenburg-Vorpommern MNS über die Kassenärztliche Vereinigung anfordern können, wenn Sie dies benötigen.

Uns erreichten auch Fragen, ob psychotherapeutische Atteste Patienten von der Pflicht zum MNS in der Öffentlichkeit entbinden können. Da die Pflicht zum Tragen der Masken aus einer Rechtsverordnung des jeweiligen Bundeslandes resultiert, können Psychotherapeuten keine Befreiung von dieser Pflicht aussprechen. Dies ist gesetzlich nicht möglich, hierzu bedürfte es behördlicher oder gerichtlicher Entscheidungen.“

 

 

Welche Regelungen zur Maskenpflicht gibt es in den einzelnen Bundesländern?

Wir haben einen Überblick der verschiedenen Regelungen in den Bundesländern in einer Tabelle erstellt: Hier finden Sie die Übersicht der aktuellen Regelungen .

(Stand 5.06.2020)

Stimmt es, dass man in Mecklenburg-Vorpommern Masken zwar in den Praxisräumen, aber nicht direkt während der Therapiesitzung tragen muss?

Das ist richtig. Sie sind, ebenso wie Ihre PatientInnen verpflichtet, in allen Praxis-Räumlichkeiten die Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, offenbar aber nicht während der Therapiesitzung – natürlich gilt das immer unter Einhaltung aller anderen Hygiene- und Abstandsregelungen.

In Artikel 1 der Verordnung der Landesregierung MV gegen das neuartige Coronavirus heißt es dazu: „In allen Arztpraxen, Psychotherapeutenpraxen und Praxen anderer Gesundheitsberufe sind die gestiegenen Hygieneanforderungen einzuhalten und wirksame Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher umzusetzen. In den Praxisräumlichkeiten ist außerhalb der ärztlichen Konsultation zwischen den Menschen ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Patienten sind außerhalb der ärztlichen Konsultation auch verpflichtet, eine Mund-Nase-Bedeckung (zum Beispiel Alltagsmaske, Schal, Tuch) zu tragen, wobei Kinder bis zum Schuleintritt und Menschen, die aufgrund einer medizinischen oder psychischen Beeinträchtigung oder wegen einer Behinderung keine Mund-Nase-Bedeckung tragen können und dies durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen oder zur Erlangung der ärztlichen Bescheinigung die Praxis betreten, hiervon ausgenommen sind.“

(Stand 11.05.2020)

Gilt die Maskenpflicht ab 11. Mai auch in Bayern für uns PsychotherapeutInnen?

Ja, ab 11. Mai 2020 gilt eine explizite Maskenpflicht in Bayern:

Zitat:

„Für die Berufsausübung von Psychotherapeut*innen ergeben sich mit Wirkung ab 11. Mai 2020 insbesondere folgende wichtige Änderungen:

Die Verpflichtung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen (sog. Maskenpflicht) gilt dann auch in psychotherapeutischen Praxen. Zudem ist durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 m eingehalten werden kann.

Zur Maskenpflicht gibt es in der Verordnung folgende allgemeine Ausnahmen:

  1. Kinder sind bis zum sechsten Geburtstag von der Tragepflicht befreit.
  2. Personen, die glaubhaft machen können, dass ihnen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung, aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist, sind von der Trageverpflichtung befreit.
  3. Das Abnehmen der Mund-Nasen-Bedeckung ist zulässig, solange es zu Identifikationszwecken oder zur Kommunikation mit Menschen mit Hörbehinderung erforderlich ist.

Die Maskenpflicht in der Praxis entfällt nach der Verordnung zudem, soweit die Art der Leistung sie nicht zulässt.

Dazu hat die Psychotherapeutenkammer in Bayern folgende Einschätzung: „Die Abdeckung des Mund-Nase-Bereiches des Gesichtes stellt aus fachlicher Sicht eine Beeinträchtigung psychotherapeutischer Behandlungen dar. Die Abdeckung von Mund und Nase kann für manche Patient*innen verunsichernd wirken, die erforderliche Einschätzung kritischer Entwicklungen bei Patient*innen einschränken und nonverbale Interventionsmöglichkeiten der/des Psychotherapeut*in erschweren oder unmöglich machen.

In diesen Fällen kann es sein, dass die fachlich korrekte Durchführung von Psychotherapie nicht mehr möglich ist. Eine Mund-Nase-Bedeckung steht einer psychotherapeutischen Behandlung jedoch nicht grundsätzlich entgegen.

Die / Der behandelnde Psychotherapeut*in hat daher jeweils im individuellen Fall die fachliche Einschätzung vorzunehmen, ob die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen unter Beachtung der Maskenpflicht fachlich korrekt durchgeführt werden können. Diese Einschätzung kann zu dem Ergebnis führen, zur Gewährleistung einer fachgerechten Behandlung auf die Mund-Nasen-Bedeckung während der Sitzung verzichten zu müssen. In einem solchen Fall wäre dann auch ein informiertes Einverständnis mit der Patientin/dem Patienten bzw. deren/dessen Personensorgeberechtigten herzustellen. Im Falle der Abweichung von der Maskenpflicht sollte die jeweilige fachliche Begründung und das eingeholte Einverständnis der Patientin/des Patienten in der Patientenakte dokumentiert werden.“

Bitte schauen Sie auch in unsere anderen FAQ zur Maskenpflicht!

(Stand: 11.05.2020)

Was muss ich beachten, wenn ich eine Maske trage?

Zunächst mal, derzeit müssen alle Bürger in Deutschland im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften einen Nasen-Mund-Schutz tragen: Selbstgenähte Alltagsmasken (sogenannte Community-Masken) oder auch ein vor Mund und Nase gebundenes Tuch reichen dafür aus. Die Maske schützt aber nicht den Träger, sondern nur sein Gegenüber bis zu einem gewissen Grad. Sie gilt, laut Robert-Koch-Institut nur als zusätzlicher Schutz, ist also auf keinen Fall ein Ersatz dafür, dass man den sicheren Abstand von mindestens 1,5 Meter und die weiteren Hygieneregeln einhält.

Wie man die Masken richtig verwendet, darüber gibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Auskunft.

Wie man die Schutzmasken richtig trägt und auch reinigt, das hat unter anderem der NDR zusammengefasst.

Aber wichtig: Überall nachzulesen war auch: Um Coronaviren abzutöten, müssen Mundschutze, Atemmasken und Co. täglich gereinigt werden. Aber das bisher empfohlene Reinigungsverfahren, Atemschutzmasken mindestens eine halbe Stunde bei 70 Grad in den Backofen zu legen, reicht offenbar doch nicht aus, um Coronaviren vollständig abzutöten. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in einem Papier.“ Das berichtete Ende April unter anderem das ZDF-Magazin Frontal 21.

Und wenn Sie wissen wollen, ob Sie und Ihre PatientInnen dazu verpflichtet sind, Masken in Ihrer psychotherapeutischen Praxis zu tragen, lesen Sie bitte unsere FAQ:

 Müssen PsychotherapeutInnen Masken tragen?

Ist es wahr, dass die Maskenpflicht in Hessen seit 4. Mai auch für PsychotherapeutInnen gilt?

Ja, auch das Land Hessen hat nun mit Wirkung vom 4. Mai für Besucher von Psychotherapie-Praxen das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung verpflichtend angeordnet. Durch die kurzfristige Änderung der entsprechenden Verordnung müssen PraxisinhaberInnen und –angestellte sowie PatientInnen seit dem 4. Mai 2020 eine Bedeckung tragen, die „geeignet ist, eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln oder Aerosolen durch Husten, Niesen oder Aussprache zu verringern“. Hierzu reicht bereits ein Tuch oder Schal, den sich die Patientin oder der Patient während seines Aufenthaltes umbindet. Verstöße gegen die Verordnung können mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

Die Psychotherapeutenkammer Hessen informiert in ihrem Newsletter aktuell über die Ausnahmen von der Maskenpflicht. Diese „gelten für Kinder unter sechs Jahren sowie bei Personen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder einer Behinderung keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können. Das Absetzen der Mund-Nasen-Bedeckung ist gestattet, soweit es für die Inanspruchnahme einer ärztlichen oder pflegerischen Dienstleistung notwendig ist. Ob dies der Fall ist, wenn die Psychotherapeutin oder Psychotherapeut die Mimik des Patienten beurteilen möchte, ist derzeit ungeklärt und kann wohl nur im Einzelfall gelten. Sollte die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut dies für unerlässlich halten, ist die sorgfältige Dokumentation dringend anzuraten.“

(Stand: 11.05.2020, 12.00 Uhr)

Müssen PsychotherapeutInnen Masken tragen?

Grundsätzlich gilt die Maskenpflicht für psychotherapeutische Praxen nur, wenn die Pflicht auch für Arztpraxen  – denen die psychotherapeutischen Praxen gleichgestellt sind – in der Verordnung des jeweiligen Bundeslandes explizit benannt werden.

Manche KVen haben inzwischen strenge Anordnungen zur Maskenpflicht erlassen oder Präzisierungen vorgenommen. Viele haben nur Empfehlungen für Arztpraxen ausgesprochen, die sich aber vorrangig auf somatische Praxen beziehen, in denen im Anmeldebereich und auch im Wartezimmer der Mindestabstand nicht zuverlässig eingehalten werden kann. In psychotherapeutischen Praxen, in denen es keinen Anmeldebereich gibt, in denen der Aufenthalt im Wartezimmer komplett vermieden und der Mindestabstand im Behandlungszimmer gewahrt werden kann, stellt sich die Situation vollkommen anders dar. Es bleibt in diesem Fall also in der Verantwortung des Einzelnen, wie er oder sie sich zu den Empfehlungen verhält und mit welchen Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen er oder sie den bestmöglichen Hygieneschutz garantiert und sich gleichzeitig wohl fühlt bei der Arbeit mit den Patientinnen und Patienten. Natürlich gelten die Hygiene- und Abstandsvorschriften weiterhin.

Zu dem unterschiedlichen Umgang der einzelnen Bundesländer mit den Mund-Nase-Bedeckungen haben wir eine Tabelle zusammengestellt: Übersicht zur Maskenpflicht. (Stand:14.05.2020)

Sicher ist: Eine Maske ersetzt NICHT den Mindestabstand, sodass Gruppen weiterhin nicht durchgeführt werden können, wenn dieser nicht gewährleistet werden kann.

Viele KollegInnen empfehlen, statt der textilen Mund-Nase-Maske, die die nonverbale Kommunikation mit den PatientInnen massiv einschränkt, ein Gesichtsvisier (siehe Bild) aus transparentem Kunststoff zu nutzen. Auch eine Trennscheibe aus Plexiglas – ein sogenannter Spuckschutz – kann einen gewissen – beschränkten ! Schutz bieten. (Hier ein paar Hinweise zum Bezug solcher Hilfsmittel, die wir von Mitgliedern erhalten haben. Dies sind ausdrücklich keine Empfehlungen. Für die verlinkten Seiten übernehmen wir keine Gewähr. Matthias Kuhn Kunststofftechnik & Design GmbH, art-decor oder auch Selbstbauanleitungen als Video vom Städtischen Klinikum Görlitz, für Plexiglasscheiben Firma Lobotec in Witten oder Otto Office.)

Allerdings bleibt das Problem der feinen Ärosolen in der Luft bestehen. Regelmäßiges Lüften bleibt ohnehin weiterhin unabdingbar ist. Und wir dürfen nicht verschweigen, dass vor der Nutzung von Gesichtsvisieren als Ersatz für die textile Mund-Nasen-Schutzbedeckung von anderer Seite gewarnt wird. So schreibt die Stadt Köln:

„Visiere sind kein Ersatz für die in § 12a CoronaSchVO geforderte Mund-Nase-Bedeckung. Ein Visier ist eine für bestimmte Fälle notwendige Ergänzung der persönlichen Schutzausrüstung im medizinischen Bereich. Es wird zusammen mit einem qualifizierten Mund-Nasen-Schutz getragen. Ein Visier ohne Mund-Nasen-Schutz schützt seinen Träger in Bezug auf COVID-19 nur vor direkt anfliegenden Partikeln, nicht jedoch vor der gesamten Partikelwolke ( z.B. Husten), weil es an drei Seiten offen ist.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestätigt diese Aussage auf Nachfrage von KollegInnen: „Die Verwendung von Visieren kann (…) nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur MNB angesehen werden.“ Und diese Auffassung deckt sich mit der des Robert-Koch-Instituts: „Die Verwendung von Visieren kann (…) nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur MNB (Anm: Mund-Nasen-Bedeckung) angesehen werden.“

Generell gilt: Bei der Frage nach dem Umgang mit der Mund-Nase-Maske sollten Sie die  offiziellen Informationen der Länder und Kommunen ebenso berücksichtigen wie die Empfehlungen und Hinweise der Psychotherapeutenkammern und Kassenärztlichen Vereinigungen in Ihrer Region und sich mit Ihren PatientInnen über Ihr jeweiliges Schutzbedürfnis verständigen.

(Stand: 7.05.2020, 12.00 Uhr)

Ist es richtig, dass seit 27.04. in NRW eine Maskenpflicht für Psychotherapeuten und ihre PatientInnen während der Therapie besteht?

Nein! Zwar steht im Gesetz, dass es seit dem 27. April 2020 in Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen – und somit auch in Psychotherapeutischen Praxen, die diesen gleichgestellt sind – Pflicht ist, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Wie diese Verpflichtung ausgelegt werden muss für ein Behandlungszimmer, in dem der Mindestabstand sicher gewahrt werden kann, war lange unklar. Der bvvp hat sich ebenso wie die dortige Psychotherapeutenkammer um Klärung bemüht. Am 6. Mai 2020 hat sich nun Dr. Dirk Kassen von der Stabsstelle Corona des dortigen Gesundheitsministeriums dazu eindeutig geäußert: „Es gibt keine Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung während der Therapiesitzungen im Behandlungsraum.“

Es bleibt also weiterhin der Mindestabstand das entscheidende Kriterium. Sollten Sie diesen nicht gewährleisten können, ist die Mund-Nase-Bedeckung verpflichtend.
Auf der Grundlage dieser Regelung muss letztendlich jede/r Praxisinhaber/in entscheiden, welche Maßnahmen er/sie ergreift. Alle die, die die Bedeckung von Mund und Nase für erforderlich halten, möchten wir darauf aufmerksam machen, dass es neben der Mund-Nase-Bedeckung auch Schutzvisiere im Handel gibt, die es uns ermöglichen, die Mimik unserer PatientInnen wahrzunehmen.

Prof. Alexander Kekulé hat in seinem Podcast erläutert, dass auch ein Gesichtsvisier aus transparentem Kunststoff für den Mund-Nasen-Schutz in Psychotherapiesitzungen geeignet ist, nachzulesen hier.

Auch eine Trennscheibe aus Plexiglas, ein sogenannter Spuckschutz, kann einen gewissen – nur beschränkten! – Schutz bieten.

Hier ein paar Hinweise zum Bezug von Visieren, die wir von Mitgliedern erhalten haben. Dies sind ausdrücklich keine Empfehlungen. Matthias Kuhn Kunststofftechnik & Design GmbH, art-decor oder auch Selbstbauanleitungen als Video vom Städtischen Klinikum Görlitz, für Plexiglasscheiben Firma Lobotec in Witten oder bei Otto-Office. Für die verlinkten Seiten übernehmen wir keine Gewähr.

Allerdings bleibt das Problem der feinen Ärosolen in der Luft bestehen, sodass regelmäßiges Lüften weiterhin unabdingbar ist – ebenso natürlich wie die Einhaltung der Abstandsregelung und der Hygienemaßnahmen.

Und wir dürfen nicht verschweigen, dass vor der Nutzung von Gesichtsvisieren als Ersatz für den textilen Mund-Nasen Schutz von anderer Stelle gewarnt wird. So die Stadt Köln:

„Visiere sind kein Ersatz für die in § 12a CoronaSchVO geforderte Mund-Nase-Bedeckung. Ein Visier ist eine für bestimmte Fälle notwendige Ergänzung der persönlichen Schutzausrüstung im medizinischen Bereich. Es wird zusammen mit einem qualifizierten Mund-Nasen-Schutz getragen. Ein Visier ohne Mund-Nasen-Schutz schützt seinen Träger in Bezug auf COVID-19 nur vor direkt anfliegenden Partikeln, nicht jedoch vor der gesamten Partikelwolke ( z.B. Husten), weil es an drei Seiten offen ist.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestätigt diese Aussage auf Nachfrage von KollegInnen: „Die Verwendung von Visieren kann (…) nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur MNB angesehen werden.

Generell gilt: Bei der Entscheidung, ob Sie und Ihr/e Patien/in die Mund-Nase-Maske tragen, sollten Sie die  offiziellen Informationen der Länder und Kommunen ebenso berücksichtigen wie die Empfehlungen und Hinweise der Psychotherapeutenkammern und Kassenärztlichen Vereinigungen in Ihrer Region und sich mit Ihren PatientInnen über Ihr jeweiliges Schutzbedürfnis verständigen.

(Stand: 7.05.2020, 12.00 Uhr)

Gibt es irgendwo eine Übersicht mit Hilfsangeboten für häusliche Gewalt, falls wir diese für PatientInnen befürchten müssen?

Ja, das gibt es, der Berliner Verein S.I.G.N.A.L. – Intervention im Gesundheitsbereich gegen Gewalt – hat eine Information veröffentlicht, die Tipps, auch für PsychotherapeutInnen enthält. Das Dokument finden Sie hier.

Eine Übersicht bundesweiter Hilfsangebote stellt aber auch die KBV bereit.

Ist es richtig, dass es in einigen Bundesländern ein besonderes Versorgungsangebot für an Corona-Erkrankte und Menschen in Quarantäne gibt, an dem wir Niedergelassene uns beteiligen können?

Zurzeit gibt es das in zwei Bundesländern:

– Die KV Bayern sucht PsychotherapeutInnen, die sich vorstellen können, Menschen mit psychischen Krisen aufgrund einer Corona-Erkrankung oder einer angeordneten Quarantäne kurzfristig über Videosprechstunde ein Beratungs- oder ein psychotherapeutisches Angebot zu machen. Eine Presseinformation der KVB dazu finden Sie hier.
Wenn Sie sich vorstellen können, sich dafür zur Verfügung zu stellen, melden Sie sich unter Angabe Ihres vollständigen Namens, Ihrer LANR und Ihrer Praxis-Telefonnummer unter der eMail-Anschrift: corona-psychotherapie@kvb.de .

– In Nordrhein bietet die Service-Nummer 116 117 auch psychologische Beratung zu Corona. Mehr dazu finden Sie auf der Seite der KVNO.

Stand: 19.06.2020

Gibt es vom bvvp ein Überblickspapier über die Dinge, die ich als PraxisinhaberIn jetzt wissen muss?

Ja, wir haben tatsächlich eine Vielzahl von Informationen für PraxisinhaberInnen für Sie zusammengestellt, die Fragen beantworten von: „Welche betrieblichen Maßnahmen sind notwendig?“ über „Coronavirus: Welche Erleichterungen gibt es für Unternehmen?“ bis hin zu „Welche Finanzhilfen und Steuererleichterungen gibt es?“

Lesen Sie unsere Zusammenstellung zur Unterstützung für Unternehmen/Praxen in Zeiten der Corona-Krise.

Aber natürlich gilt auch hier angesichts der Schnelllebigkeit von Regelungen: Der bvvp übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben.

Wie ist das mit der Erfüllung meiner Fortbildungspflicht? Fast alle Fortbildungsveranstaltungen werden abgesagt, sodass ich keine Punkte sammeln kann?

Die Frist für den Nachweis der fachlichen Fortbildung wird für Ärzte und Psychotherapeuten aufgrund der Coronavirus-Pandemie bis 30. September verlängert. Das Bundesministerium für Gesundheit hat einer entsprechenden Anfrage der KBV zugestimmt. Die Verlängerung der Nachweispflicht zur fachlichen Fortbildung nach Paragraf 95d SGB V gilt auch für Ärzte und Psychotherapeuten, die bereits mit Honorarkürzungen und Auflagen zum Nachholen der Fortbildungen innerhalb von zwei Jahren belegt wurden.

Die Punktzahl wurde von 250 auf 200 gesenkt, rückwirkend zum 01.04.2020 und vorläufig bis 30.09.2020 gültig. Mehr Infos gibt die KBV.

Stand: 29.06.2020

Gibt es irgendwo gute Handlungsempfehlungen zum psychosozialen Umgang mit sich selbst und anderen in Zeiten der Corona-Krise?

Es gibt eine Fülle von Linksammlungen in diesen Zeiten. Wir haben einmal ein paar Links für Sie zusammengestellt, die wir für hilfreich halten:

– Gute Informationen gibt das Papier der psychologischen Hochschule Berlin. Das Dokument von Professor Jacobi, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie (Schwerpunkt Verhaltenstherapie), gibt Auskunft, wie man häusliche Isolation und Quarantäne gut übersteht.

– Ein ähnliches Dokument hat der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen erstellt.

– Tipps, wie man körperlich aktiv bleibt während der Selbstquarantäne, hat die Weltgesundheitsorganisation in einem Papier gegeben.

– Tipps bei Angst in der Corona-Krise gibt auch ein ZDF-Dossier unter der Unterüberschrift: „Wie Sie jetzt seelisch gesund bleiben“.

 

Gibt es auch Unterstützung für PsychotherapeutInnen mit Kostenerstattungsverfahren?

Der  bvvp sieht die Kostenerstattung grundsätzlich als Benachteiligung der wichtigen dort tätigen PsychotherapeutInnen. Wir setzen uns seit Jahren für angemessene Verhältniszahlen ein, unterstützen außerdem auch KollegInnen gerade im Ländlichen, dass sie eine Sonderbedarfszulassung bekommen.

Die Krise ist wieder ein gutes Beispiel, denn es wird mit Sicherheit keine generellen Ausnahmeregelungen bei der Leitungserbringung geschweige denn einen Schutzschirm der Selbstverwaltung geben in diesem Bereich.

Finanzielle Unterstützung kann man als Kostenerstatter im Rahmen der Soforthilfe als Kleinunternehmer beantragen. Mehr dazu finden Sie u.a. auf unseren FAQ-Seiten Welche Corona-Soforthilfen für Freiberufler gibt es von den Bundesländern und Welche Hilfen gibt es konkret vom Bund für uns freiberuflich tätige PsychotherapeutInnen?

Kann ich Video- oder Telefonsprechstunden bei der Beihilfe abrechnen?

Hier gibt es bereits seit Ende März Neuerungen: Videobehandlungen sind unter eingeschränkten Bedingungen abrechnungsfähig.

Wörtlich schrieb im März das das Bundesverwaltungsamt auf seiner Homepage

„Aus Fürsorgegründen werden wegen der aktuellen Lage Psychotherapien als Videosprechstunde ausnahmsweise anerkannt, wenn keine anderen Möglichkeiten bestehen und bereits ein persönlicher Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung stattgefunden hat. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut muss unter Berücksichtigung der individuellen Krankheits- und Lebensumstände entscheiden, ob eine Videosprechstunde durchgeführt werden kann.
Eine Videosprechstunde ist bei folgenden Aufwendungen von der Beihilfefähigkeit ausgeschlossen: probatorische Sitzungen, psychotherapeutischer Akutbehandlung, Gruppenpsychotherapie und Hypnosebehandlungen. Aufwendungen für ausschließlich telefonisch erbrachte Leistungen sind nicht beihilfefähig.“

Gibt es eigentlich eine kommentierte Linkliste zu Online-Angeboten für Kinder, Eltern und Fachkräfte in der Corona-Krisenzeit?

Unser Vorstandsbeauftragter Jonas PW Goebel hat zusammen mit seinen Kolleginnen Clara Pering und Dr. Felicitas Bergmann eine Liste zusammengestellt. Sie können sie hier herunterladen: Linkliste zu Corona von Bergmann, Goebel und Pering.

Ich bin Studierende mit dem Ziel Psychotherapeutin zu werden: Bekomme ich jetzt überhaupt noch BAföG, wenn meine Ausbildungsinstitutionen geschlossen haben?

Ja, sicher ist, dass Zuschüsse nach dem “BAföG auch durch die COVID-19-Pandemie bedingten Schließungen oder Einreisesperren weitergezahlt” werden, dazu finden Sie hier weitere Informationen.  Dazu gibt es auch eine Pressemitteilung des Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Von den Regelungen zur Eindämmung der Corona-Krise ist auch die ambulante Versorgung in den Institutsambulanzen betroffen. Macht sich der bvvp auch für uns dort tätige PiA stark?

Ja, der bvvp hat in einer einstimmig verabschiedeten Resolution auf seiner Frühjahrs-Delegiertenkonferenz vom 27. bis 28. März 2020, die dieses Jahr digital durchgeführt wurde, eine ganze Reihe von zeitlich begrenzten Ausnahmeregelungen gefordert, um die Versorgung psychisch kranker Menschen in der derzeitigen Corona-Krise zu sichern: Mit Nachdruck wurde in der Pressemitteilung gefordert, dass alle geforderten Regelungen äquivalent für die ambulante Versorgung durch PiA in den Institutsambulanzen getroffen werden müssen!

Dies verhindert, dass Patientinnen in dieser Krise unversorgt bleiben und dass sich die laufenden Ausbildungen durch die Corona-Krise verzögern. Hier tragen die Ausbildungsinstitute bei der konkreten Umsetzung eine besondere Verantwortung.

Die Forderungen des bvvp:

  • Alle psychotherapeutischen Leistungen, die derzeit per Videokonferenz erbracht werden können, müssen alternativ als Behandlung per Telefonat ermöglicht werden.
  • Als zwingend betrachten wir telefonische Kriseninterventionsmöglichkeiten, einen telefonischen Erstkontakt, stützende und orientierende telefonische Kontakte.
  • Die Akutbehandlung ist für die Videobehandlung freizugeben.
  • In der Behandlung von Kindern ist eine unbürokratische Möglichkeit zu schaffen, dass die Kinder-Behandlungsstunden per Anzeige an die Krankenkasse in Bezugspersonenstunden umgewandelt werden können.
  • Die bei PP und KJP notwendigen Konsiliarberichte zur Beantragung einer genehmigungspflichtigen Psychotherapie sollten angesichts der Überlastung der Hausarztpraxen und der dortigen Ansteckungsgefahr nachgereicht werden können.
  • Des Weiteren ist es dringend geboten, auch alle Gesprächsleistungen der GOÄ bzw. GOP per Videokonferenz und per Telefon für einen befristeten Zeitraum freizugeben.
Wir in Ausbildungsinstituten und Hochschulambulanzen tätigen PiA sind besonders von der Coronakrise betroffen. Wir wissen oft nicht, wie wir unsere Ausbildung fortführen können? Gibt es irgendwo Infos dazu?

Ja, die Regelungen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus betreffen auch und in besonderem Maße den Betrieb der Ambulanzen der Ausbildungsinstitute und Hochschuleinrichtungen. Wichtige Punkte, die zur Klärung von häufig gestellten Fragen dienen könnten, hat zum Beispiel die „Arbeitsgemeinschaft der staatlich anerkannten Ausbildungsinstitute und Hochschulambulanzen für Psychologische Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in BW“ in einem Schreiben an Ausbildungsinstitute zusammengefasst. Darin geht es auch um Prüfungen und Supervisionen, die Weiterführungsbedingungen für Ambulanzen, um das Thema Honorarausfall für Ausbildungs- und HonorartherapeutInnen oder um Video-unterstützte Psychotherapie.

Auch der bvvp hat in einer Resolution, verabschiedet auf seiner Bundesdelegiertenkonferenz im März, eine besondere Berücksichtigung der PiA gefordert.

 

Ich bin angestellt in einem MVZ tätig. Darf mich mein Chef auffordern, wenn weniger zu tun ist, meine Überstunden abzubummeln oder Urlaubstage einzusetzen?

Zu dem Thema melden sich derzeit viele Experten zu Wort. Die Einschätzungen sind teilweise widersprüchlich. Johannes Schipp ist Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Auch er räumt ein, dass es zur Frage, in welchem Rahmen Urlaub angeordnet werden kann, keine eindeutigen Regeln gebe. Seiner Einschätzung nach kann es aber in einer Pandemie-Situation durchaus möglich sein, dass Arbeitnehmer die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruchs erst einmal einsetzen müssten.

Im Zusammenhang mit der Beantragung von Kurzarbeitergeld durch Arbeitgeber äußert er sich in einem Zeitungsartikel wie folgt:

Kurzarbeit kann der Arbeitgeber demnach anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und der Betrieb alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. „Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches „abgefeiert“ werden müssen“, erklärt Schipp. Zudem sei es möglich, Urlaub anzuordnen, soweit die betreffenden Urlaubstage nicht schon genehmigt sind. Urlaub, der schon genehmigt ist, könne vom Arbeitgeber nicht ohne weiteres wieder gestrichen werden.“

Wenn aber noch eine Auswahlmöglichkeit für den Arbeitgeber verbleibe, werde die Auswahl nach sogenanntem „billigem Ermessen“ erfolgen müssen. Der Arbeitgeber könne also nicht willkürlich verfahren. Und „In Betrieben mit Betriebsräten unterliegen die Einführung der Kurzarbeit und die Regelung der Einzelheiten zudem der Mitbestimmung des Betriebsrats.

 

 

Was mache ich mit meinen Gruppen? Gibt es Empfehlungen für KBV-zertifizierte Programme für Videobehandlungen?

Gruppenpsychotherapien fallen nicht unter das behördliche Versammlungsverbot. Hier ist eine individuelle Absprache unter den TeilnehmerInnen möglich, die Sitzung durchzuführen, wenn keine RisikopatientInnen, PatientInnen mit Krankheitssymptomen oder Rückkehrer aus Risikogebieten dabei sind. Eine Einigung auf Durchführung der Gruppentherapiesitzung sollte wegen möglicher Haftungsfragen vorsorglich dokumentiert werden.

Die BPtK hat uns auf unsere Frage hin, ob Gruppenpsychotherapien weiterhin durchgeführt werden dürfen, geantwortet: Derzeit bestünden „keine allgemeinen Empfehlungen von Gesundheitsbehörden bzw. vom Robert-Koch-Institut, Zusammenkünfte mit der üblichen Teilnehmerzahl einer Gruppentherapie abzusagen. Die Frage der Teilnahme liegt daher in der Eigenverantwortung und Einzelentscheidung aller beteiligten Personen. Im Vorfeld einer Gruppentherapiesitzung sollte ausgeschlossen werden, dass sich unter den Teilnehmern/Teilnehmerinnen Personen befinden, die im Hinblick auf das Infektionsgeschehen Kontakte meiden sollten. Das heißt zum Beispiel, dass Gruppen dann gegebenenfalls mit reduzierten Teilnehmerzahlen stattfinden müssen, wenn sich einzelne Teilnehmer oder Teilnehmerinnen in Quarantäne befinden. Wichtig ist, während der Gruppe darauf zu achten, einen ausreichenden Abstand zwischen den Teilnehmerinnen zu ermöglichen und natürlich verstärkt auf Hygieneregeln zu achten.​“

Für Gruppenpsychotherapien sind derzeit keine Videobehandlungen möglich, hier wurdeauch seitens des bvvp an die KBV herangetragen, dass es Ausnahmeregelungen für einen begrenzten Zeitraum geben muss. Damit konnten wir uns leider nicht durchsetzen.

Mehr zur Videosprechstunde finden Sie auf unserer FAQ-Seite Ist die Videosprechstunde eine Alternative?

Unsere Forderung, dass Gruppensitzungen ohne großen bürokratischen Aufwand in Einzelsitzungen umgewandelt werden können, wurde umgesetzt und die Genehmigung inzwischen noch einmal verlängert. Sie gilt nun bis zum 30. September 2020. Außerdem gibt es wie bisher bei reiner Gruppenpsychotherapie zusätzliche Einzelsitzungen im Verhältnis 1 zu 10 ohne Antrags- oder Anzeigeverfahren.
Lesen Sie mehr dazu in der FAQ Kann ich Gruppensitzungen derzeit in Einzelsitzungen umwandeln?

Wie die Landes-KVen im Einzelnen damit umgehen, haben wir für Sie in einer tabellarischen Übersicht zusammengestellt.

(Stand 18.06.2020)

 

Was muss ich in der psychotherapeutischen Versorgung von PatientInnen in Quarantäne beachten?

Es gilt: Patientinnen und Patienten in Quarantäne dürfen von Ihnen fernbehandelt werden. Die Psychotherapeutenkammer NRW gibt dazu noch diesen wichtigen Hinweis:

„Sollte es Anzeichen für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung der Patientin oder des Patienten in Quarantäne geben, ist die fachlich gebotene Hilfe über die Verständigung der Polizei oder des Rettungsdienstes einzuleiten. Dabei hat unbedingt die Mitteilung zu erfolgen, dass sich die betroffene Person in Quarantäne befindet.“

Quelle: PTK NRW: Was ist bezüglich der psychotherapeutischen Versorgung von PatientInnen in Quarantäne zu beachten?

 

 

Was gilt für angestellt tätige PsychotherapeutInnen in der Coronakrise?

Auskünfte zu arbeits- und arbeitsschutzrechtlichen Fragen zum Coronavirus gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

BMAS: Arbeitsrechtliche Auswirkungen

Wer angestellt und mit dem Virus infiziert ist, hat während der Erkrankung einen Anspruch, dass sein/ihr Entgelt über sechs Wochen weiterbezahlt wird, anschließend hat man einen Anspruch auf Krankengeld. Während einer angeordneten Quarantäne besteht ein Anspruch auf Freistellung bei Entgeltfortzahlung über § 56 des Infektionsschutzgesetzes.

Gibt es Merkblätter zur Hygiene, die ich in der Praxis auslegen kann?

Anleitungen für das richtige Händewaschen – abgestimmt auf verschiedene Altersgruppen und in verschiedenen Sprachen verfügbar – finden Sie zum Herunterladen auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Bundeszentrale bietet außerdem Aufkleber, Plakate und Broschüren zur Hygiene allgemein, die besonders für KJP-Praxen geeignet sind. Infektionsschutz Printmaterialien

Für  die spezielle Situation in Kinder- und Jugendlichentherapiepraxen hat unser Vorstandsmittglied Frau Sartorius hilfreiche Vorsorgetipps aus Ihrem Praxisalltag zusammengestellt: Empfehlungen zur Ansteckungsvermeidung in KJP-Praxen.

Muss meine Praxis-Unterbrechungs-Versicherung bezahlen, wenn ich aufgrund der Corona-Krise für eine bestimmte Zeit nicht mehr arbeiten kann, weil ich zum Beispiel in Quarantäne bin?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Nach Anfragen hat zum Beispiel die Donau Versicherung AG auf diese Frage eines Mitglieds brieflich mitgeteilt, dass prinzipiell „im Rahmen der P.U.V. Verträge Versicherungsschutz für eine behördlich angeordnete Quarantäne in Folge einer Seuche besteht“ – sofern Sie persönlich betroffen sind.

Allerdings heißt es dort auch: „Wir haben es im Rahmen der Praxis-Unterbrechungs-Versicherung auf der einen Seite mit verschiedenen Tarif- und Produktgenerationen zu tun und auf der anderen Seite mit unterschiedlichen Sachzusammenhängen.“

Das bedeutet: Schauen Sie genau in Ihren Vertrag hinein, was abgedeckt ist! Jeder Einzelfall werde geprüft, wurde zugesagt. Allerdings werden Sie auch verpflichtet, selbst zu klären, „ob aus staatlichen Quellen (z.B. Infektionsschutzgesetz, Kassenärztlichen Vereinigungen, …) Ansprüche zu erwarten sind. Solche staatlichen Ansprüche wären nämlich mit der P.U.V Leistung zu verrechnen.“

Aktuell wird mir eine Kindernotbetreuung als Psychologische Psychotherapeutin verwehrt. Was kann ich tun?

Eindeutige Auskunft des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales:

Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind im Bereich der Gesundheitsversorgung tätig. Für die Kinder, deren Elternteil in diesem Bereich tätig ist, ist eine Notbetreuung zur Verfügung zu stellen, wenn auch die übrigen Voraussetzungen hierfür vorliegen. Insbesondere müssen die oder der Erziehungsberechtigte aufgrund dienstlicher oder betrieblicher Notwendigkeiten an einer Betreuung des Kindes gehindert sein. Wir raten Ihnen, die Betreung einzufordern und gegebenenfalls auf das jeweilige Landesministerium zu verweisen.

Dies gilt natürlich auch für alle anderen Bundesländer.

Wie sollen wir verfahren, wenn im neuen Quartal die Gesundheitskarten nicht eingelesen werden können und ich eine Videosprechstunde anbieten und durchführen möchte ?

„Das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist nicht notwendig. Es kommt das Ersatzverfahren zur Anwendung“, heißt es aus der KV, wenn eine gültige Karte nicht eingelesen werden kann. Praxen müssen dann folgende Daten vom Patienten oder der Patientin im PVS festhalten:

  1. Name der Krankenkasse
  2. Vorname des/r Versicherten
  3. Name des/r Versicherten
  4. Geburtsdatum
  5. Versichertenart
  6. Postleitzahl des Wohnorts
  7. wenn möglich: die Versichertennummer (erste zehn Stellen)

Der/Die Versicherte muss normalerweise durch seine/ihre Unterschrift auf dem Abrechnungsschein (Vordruckmuster 5) bestätigen, dass er/sie gesetzlich krankenversichert ist. Dies wird in dieser Ausnahmesituation nicht gefordert werden.

Wenn der Patient bereits im letzten Quartal bei Ihnen war, können Sie die Daten einfach übernehmen, um das Ersatzverfahren anzulegen.

Wenn der Patient das erste Mal bei Ihnen ist und nur per Video behandelt wird, müssen Sie alle Daten manuell eingeben.

Lassen Sie die PatientInnen ihre Gesundheitskarten in die Kamera halten, dort können Sie die Daten abschreiben und sich von diesen mündlich bestätigten, dass sie gesetzlich krankenversichert sind.

Dasselbe geht natürlich auch per Telefon. Nötig ist dann, dass der Patient Ihnen die Daten der Gesundheitkarte vorliest.

Ich bin ärztliche Psychotherapeutin aus Bayern. Gilt auch bei mir die Einschränkung: Behandlung nur, wenn „dringend medizinisch erforderlich“, wie bei Psychologischen PsychotherapeutInnen?

Es war ein sachlicher Fehler des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, PsychotherapeutInnen zum Beispiel in der Bekanntmachung zur vorläufigen Ausgangsbeschränkung als Angehörige helfender Berufe einzuordnen wie zum Beispiel Ergo- oder Physiotherapeuten.

Bereits seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 sind Psychologische/r Psychotherapeut/in und Kinder- und Jugendlichenspsychotherapeut/in eigenständige Heilberufe und bilden in den KVen eine eigene Facharztgruppe, eine Psychotherapie-Praxis ist also einer Arztpraxis absolut gleichrangig.

Ärztliche Psychotherapeuten waren im Schreiben der Bayern sowieso nicht angesprochen als „helfende Berufe“.

Es gilt grundsätzlich: Die Entscheidung zur Behandlung liegt bei Ihnen als approbierte Behandlerin oder approbierter Behandler. Wir raten Ihnen, die Entscheidung im Sinne Ihrer PatientInnen und in Absprache mit diesen verantwortlich zu fällen und Ihre Entscheidungsgründe zu dokumentieren.

Was tun Sie gegen die Degradierung der PsychotherapeutInnen in Bayern zu Angehörigen eines Heilhilfsberufs?

Es erscheint uns nicht hinnehmbar, PsychotherapeutInnen z.B. in der Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zur vorläufigen Ausgangsbeschränkung, als Angehörige helfender Berufe einzuordnen wie zum Beispiel Ergo- oder PhysiotherapeutInnen.

Seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 ist Psychotherapeut/in ein eigenständiger Heilberuf und bildet in den KVen eine eigene Facharztgruppe, eine Psychotherapie-Praxis ist einer Arztpraxis gleichrangig. Seit 20 Jahren haben Menschen das Recht, ohne Überweisung oder irgendein ärztliches Attest oder eine Notwendigkeitsbescheinigung direkt zu ihren PsychotherapeutInnen zu gehen.

Wir gehen davon aus, dies war der Eile bei der Erstellung der Regelungen geschuldet. Es muss  aber unseres Erachtens in jedem Fall geklärt werden, wie es zu diesem Fehler kommen konnte.

 

Wo finde ich weitere Infos anderer wichtiger Institutionen für uns PsychotherapeutInnen?

Die BPtK gibt zum Beispiel für PsychotherapeutInnen eine Praxis-Information zum Umgang mit dem Coronavirus heraus, die auch wichtige Fragen aus dem Praxisalltag beantwortet und fortwährend aktualisiert wird. BPtK-Praxis-Info „Coronavirus“

Zusammenfassende Infos der KBV mit Informationen zum Virus und dem Umgang mit der Krise für Ärztinnen, PsychotherapeutInnen und Praxispersonal bietet auch die KBV-Sonderseite.

Auch alle Landeskammern und die regionalen KVen bieten Sonderinformationen zur Coronakrise an.

Wie sorgen Sie dafür, dass die jetzigen Forderungen unsererseits in Bezug auf Video- und Telefontherapie / Digitalisierung uns langfristig nicht schaden?

Die Frage, ob Telefontherapie / eine verstärkte Behandlung mittels Instrumenten der Digitalisierung insgesamt langfristig nicht zu unserem Nachteil werden könnte, hat uns natürlich schon im Vorfeld aller Entscheidungen und Aktivitäten dazu intensiv beschäftigt. Andererseits sehen wir uns im bvvp in der Pflicht, auch unter den Bedingungen der Coronakrise die Versorgung unserer PateintInnen so gut wie möglich sicherzustellen. Wir gehen davon aus, dass es kaum einen Behandler geben wird, der in diesen Möglichkeiten einen dauerhaften Ersatz für die Behandlung im direkten Kontakt sehen wird. Auch gibt es eine nicht unerhebliche Zahl an PatientInnen, die keine Behandlung per Video wünschen oder nicht über die technischen Voraussetzungen verfügen. Dies sind Möglichkeiten, um in der Krise eine eventuell weitere Dekompensation unserer PatientInnen zu verhindern und keine Settings, die primär einer effektiven, leitliniengerechten Behandlung dienen. Dies wird der Politik unseres Erachtens nach Beendigung der aktuellen Krise auch zu vermitteln sein.

Gehören Psychotherapeuten zu den berechtigten Berufe, für die eine Notbetreung der Kinder in Schule / Kita / Hort gefordert werden kann?

Ja, unsere Berufsgruppe gehört dazu!

Ich kann in meiner Praxis großen Abstand halten: Dürfen PatientInnen, die mich brauchen und körperlich gesund sind, jetzt noch zu mir kommen, wenn sie es möchten?

Ja, es ist nicht verboten, psychotherapeutische Behandlungen in der Praxis durchzuführen. Es gilt grundsätzlich: Die Entscheidung liegt bei Ihnen als approbierte Behandlerin oder approbierter Behandler. Wir raten Ihnen, die Entscheidung im Sinne Ihrer PatientInnen und in Absprache mit diesen verantwortlich zu fällen und Ihre Entscheidungsgründe zu dokumentieren.

In unseren FAQs finden Sie übrigens viele weitere hilfreiche Infos, zum Beispiel zur Einhaltung der Hygieneregeln in der Praxis.

Bisher ist die Teilnahme der Patienten bei Videobehandlung freiwillig. Falls ein Patient nicht per Video kommunizieren will, bin ich dann gesetzlich gezwungen, ihn persönlich zu empfangen?

Nein, die Entscheidung, ob Sie die face-to-face-Behandlung durchführen, liegt natürlich bei Ihnen und muss von Ihnen anhand der Kriterien „Dringlichkeit einer Behandlung im persönlichen Kontakt“ und „Größe des Ansteckungsrisikos“ abgewogen und entschieden werden. Dies gilt übrigens auch außerhalb der Corona-Krise, dass es keine Verpfichtung gibt.

Was tun, wenn ich als TherapeutIn mit Covid-19 infiziert bin oder der Verdacht besteht?

Als infizierte TherapeutIn müssen Sie dies zunächst dem Gesundheitsamt melden, worauf eine häusliche Quarantäne angeorndet werden wird.

Es ist davon auszugehen, dass Sie den Praxisbetrieb im Homeoffice weiterführen können, wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen. Hinweise zu den Voraussetzungen und Abrechnungsmodalitäten finden Sie auf den FAQ-Seiten zur Videosprechstunde und den FAQ zur Telefonsprechstunde.

Falls Sie sich nicht in der Lage sehen, berufstätig zu sein, informieren Sie sich in unseren FAQ zum Thema Entschädigung.

Dürfen unsere PatientInnen weiterhin in unsere Praxen kommen?

Praxen für Psychotherapie sind den Praxen der niedergelassenen Ärzteschaft gleichgestellt. Ihre PatientInnen können also wie PatientInnen von niedergelassenen Ärzten Ihre Praxis aufsuchen und sich gemäß den Hygienevorschriften und dem Abstandsgebot dort aufhalten. Sie brauchen keine Überweisung, kein ärztliches Attest und auch keine Notwendigkeitsbescheinigung.

Zu den Hygienevorschriften in der Praxis lesen Sie auch die FAQ Welche Hygienemaßnahmen sind empfohlen?

Wie mache ich das mit der Versichertenkarte, wenn ein/e Patient/in innerhalb eines Quartals nur per Video behandelt wird?

Man muss unterscheiden zwischen bekannten und neuen PatientInnen.

  1. Bei bekannten PatientInnen legt man ein sogenanntes Ersatzverfahren an, denn die Daten sind ja schon vorhanden. Im PVS gibt es dafür den Reiter „Scheine“ und dort dann die Option „Ersatzverfahren“.
  2. Bei neuen PatientInnen muss man sich die Versichertenkarte entweder in der Kamera zeigen lassen und die Daten abschreiben. Dafür gibt es dann auch die Ziffer 01444:

Zitat:

„01444 Zuschlag für die Authentifizierung eines unbekannten Patienten
Einmal im Behandlungsfall als Zuschlag zur Grundpauschale 10 Punkte = 1,08 Euro.
Da die erforderlichen Stammdaten nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfasst werden können, wird diese Gebührenordnungsposition zeitlich befristet bis zum 30. September 2021 in den EBM aufgenommen. Anschließend sollen neue technische Verfahren den Zusatzaufwand zu Authentifizierung in der Praxis obsolet machen.“

Oder, falls zeitnah der Erstkontakt per Telefon freigegeben wird, gibt es die Möglichkeit, dass der/die Patient/in seine Daten per Telefon oder postalisch durchgibt – und eine Kopie der Karte übermittelt.

Ich bin verunsichert: Soll ich die Praxis schließen?

Solange es keine entsprechende Anordnung gibt, können Praxen geöffnet bleiben für die Versorgung. Leider kann Ihnen diese Entscheidung keiner abnehmen. Sie müssen für sich schauen, womit Sie sich wohlfühen und was Sie sich und Ihren PatientInnen zumuten wollen. Selbstverständlich unter Beachtung der Hygieneempfehlungen. Praxen müssen nur dann geschlossen werden, wenn durch das Gesundheitsamt ein schriftlicher Bescheid mit der Anordnung zur Schließung übermittelt wird. Praxen, die aufgrund einer rein mündlichen Empfehlung schließen, können keinen Anspruch auf Entschädigung geltend machen. Quelle: https://www.kvhessen.de/coronavirus/faq/#c4951

Meine Angestellte ist in Quarantäne. Muss ich ihr Entgelt weiterhin zahlen?

Hier kommt es zunächst darauf an, ob der Arbeitnehmer tatsächlich an Covid-19 erkrankt ist oder ob die Quarantäne nur als „Vorsichtsmaßnahme“ angeordnet wurde.

In letzterem Fall besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung, da es an einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit im Sinne des § 3 EFZG fehlt. Der Arbeitnehmer kann aber gemäß § 56 Infektionsschutzgesetz („IfSG“) einen Entschädigungsanspruch gegen die Behörden haben, wenn ein Beschäftigungsverbot gemäß § 31 IfSG angeordnet wurde. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass gemäß § 56 Abs. 5 IfSG zunächst der Arbeitgeber verpflichtet ist, diese Entschädigungszahlungen an den Arbeitnehmer auszuzahlen. Der Arbeitgeber kann diese Zahlung dann aber auf Antrag von den Behörden zurückverlangen.

Ist der Arbeitnehmer in Quarantäne tatsächlich an Covid-19 erkrankt und daher arbeitsunfähig, besteht aufgrund dieser Erkrankung ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung gemäß § 3 EFZG. Ob dann eine Erstattung von Entgeltfortzahlungskosten durch die Behörden verlangt werden kann, ist bislang nicht geklärt. Aus unserer Sicht empfiehlt es sich für den Arbeitgeber, zumindest einen Antrag auf Übernahme der Entgeltfortzahlungskosten gegenüber der Behörde zu stellen.

Quelle: Sondernewsletter auf der Internetseite der auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwaltspraxis BRP

Übernehmen die privaten Krankenkassen auch die Kosten für Video- und Telefonbehandlungen?

Am 25. März teilte der Verband der Privaten Krankenversicherung PKV mit, dass die tariflichen Bestimmungen der meisten PKV-Verträge keinerlei Einschränkungen bei der Behandlung privat Versicherter via Videosprechstunde vorsehen.

Weiter heißt es dort: „Auch einer – ggf. analogen – Abrechnung der einschlägigen Ziffern der ärztlichen Gebührenordnung GOÄ steht nichts im Wege. In der PKV sind Videosprechstunden seit jeher nach Maßgabe der medizinischen Notwendigkeit im vereinbarten Umfang ohne Budgetbeschränkungen möglich.“

Die GOÄ kenne die „Beratung auch mittels Fernsprecher“ nach der Nr. 1 und die „Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – auch mittels Fernsprecher“ nach GOÄ-Nr. 3. Von daher seien auch telefonische Sprechstunden gebührenrechtlich unproblematisch.“ Und:

„Sowohl die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als auch die Verhaltenstherapie können – unter Beachtung der berufsrechtlichen Sorgfaltspflichten – über Kommunikationsmedien erbracht werden. Allerdings ist dabei die Muster-Berufsordnung der Psychotherapeuten zu beachten, die eine ausschließliche Fernbehandlung von unbekannten Patienten ausschließt. Gesprächsleistungen von Neurologen, Nervenärzten oder Psychiatern aus dem psychischen bzw. psychiatrischen Behandlungsbereich können ebenfalls per Videosprechstunde erbracht und mit den einschlägigen Gebühren berechnet werden.“

Neuigkeiten gibt es zur Abrechenbarkeit von psychotherapeutischen Leistungen, die telefonisch erbracht werden.

In einem Gespräch zwischen PKV und dem Vorstand der Psychotherapeutenkammer NRW am 2. April wurde vereinbart: PT-Leistungen sollten zwar auch während der Corona-Krise weiterhin in persönlichem Kontakt in den Praxen erfolgen, können PatientInnen aber nicht erscheinen, und ist die Leistung nicht über die Videosprechstunde – mittels zertifizierter Anbieter – zu erbringen, so ist die telefonische Erbringung der Leistungen als Ultima Ratio zu sehen und also möglich.

Informationen zu Beihilfeleistung bei der Fernbehandlung entnehmen Sie bitte der FAQ-Frage: Kann ich Video- oder Telefonsprechstunden bei der Beihilfe abrechnen?

Welche Maßnahmen muss ich als ArbeitgeberIn zum Schutz von Angestellten ergreifen?

Die arbeitgeberseitige Fürsorgepflicht verpflichtet zur Ergreifung von Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz, soweit diese zumutbar sind. Interne Hygienevorschriften wie die Desinfektion von Türgriffen und Aufzugknöpfen in regelmäßigen Abständen können erforderlich sein. Manche Unternehmen gehen derzeit dazu über, bestimmte Betriebsabteilungen räumlich voneinander zu trennen, um im Falle einer Erkrankung an Covid-19 die Verbreitung verhindern zu können. Gut ist jetzt  die Herausgabe eines Informationsblatts, in dem typische Infektionsrisiken und deren Vermeidung erklärt werden. Entsprechende Hinweise sollten sein: Regelmäßiges Händewaschen mit Seife, Ellenbogenvorhalten bei Husten und Niesen, Vermeiden von Gesichtsberührungen, usw.

Hier finden Sie einen nützlichen Aushang der KBV.

Quelle: BRP-Maßnahmen zum Schutz von Angestellten

Siehe auch unsere FAQs zum Thema Infektionsschutzgesetz.

Muss ich Angestellte weiter bezahlen, wenn die Praxis aufgrund eines Ansteckungsverdachts behördlich geschlossen wird?

Der Arbeitgeber trägt das Betriebsrisiko auch bei einer Praxisstilllegung aufgrund einer behördlichen Anordnung. Unternehmen, die in hygienesensiblen Bereichen tätig sind (ärztliche Praxen, Gastronomiebetriebe, etc.), schließen zu diesem Zweck oft eine sogenannte Betriebsschließungsversicherung ab. Ob diese auch im Falle des Covid-19-Virus greift, wäre dann im Einzelfall anhand der Versicherungsbedingungen zu überprüfen. Greift kein Versicherungsschutz, können Lohnkosten vorübergehend durch die Anordnung von Kurzarbeit und den Bezug von Kurzarbeitergeld durch die Arbeitsagentur ausgeglichen werden. Sprechen die Behörden im Zusammenhang mit der Betriebsschließung gegenüber den Arbeitnehmern Beschäftigungsverbote aus, sollte hierfür eine Entschädigung gemäß § 56 IfSG beantragt werden.

Quelle: BRP-Vergütungspflicht Angestellte

 

 

Kann ich als psychotherapeutisch tätige Ärztin jetzt zum Dienst in der Klinik zwangsverpflichtet werden?

Auch das ist sicherlich denkbar, falls die Versorgung der Infizierten anders nicht mehr zu handhaben ist. Wenn aber aus gesundheitlichen Gründen eine solche Tätigkeit für Ärztinnen und Ärzte nicht möglich und zumutbar wäre, sollte auch eine Befreiung von der Zwangsverpflichtung möglich sein.

Wie läuft die Lohnfortzahlung für meine Mitarbeiter, wenn sie aufgrund von Krankheit oder Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ansteckung nicht zur Arbeit kommen?

Sofern eine Erkrankung aufgrund des Corona-Virus vorliegt, muss, wie auch bei allen anderen Erkrankungen, maximal für 6 Wochen der Lohn fortgezahlt werden. In Psychotherapeutischen Praxen kommt dafür größtenteils die Umlageversicherung U1 auf, denn es handelt sich um Kleinunternehmen.

Sobald der/die Mitarbeiterin selbst entscheidet, aufgrund der Coronakrise zu Hause zu bleiben, kann der/die MitarbeiterIn unbezahlt freigestellt werden. Wenn Sie das Fortbleiben vom Arbeitsplatz aber anordnen, müssen Sie auch weiterhin den Lohn bezahlen.

Wenn der/die Angestellte sich in Quarantäne befindet, lesen Sie bitte auf dem Blog des Virchowbundes: Meine Angestellte ist in Quarantäne. Muss ich Ihr Entgelt weiterhin zahlen?

Wie läuft die Lohnfortzahlung für meine Mitarbeiter, wenn sie aufgrund von fehlender Kinderbetreuung nicht zur Arbeit kommen?

Fehlende Kinderbetreuung ist kein Grund, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Angestellte müssen versuchen, eine andere Person zu finden, die das Kind versorgt. Zunächst einmal sind Ihre Angestellten rechtlich verpflichtet, sich selbst um die Kinderbetreuung durch andere Personen zu kümmern. Nur, wenn das nicht gelingt, sind Sie als ArbeitgeberIn in der Pflicht, Ihre/n Mitarbeiter/in weiter zu bezahlen – für eine „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“. Wenn Ihr/e Mitarbeiter/in schon länger bei Ihnen in der Praxis angestellt ist, können Sie dafür maximal 10 Arbeitstage ansetzen.

 

In meiner Praxis gibt es sehr viele Terminabsagen. Darf ich meine Praxis zeitweise schließen und Kurzarbeit anmelden?

Ja, wenn Sie wegen der wirtschaftlichen Lage schließen oder Kurzarbeit anordnen müssen. Die Bundesregierung hat dafür ein Hilfspaket verabschiedet. Für jede Praxis muss allerdings individuell geprüft werden, ob die Voraussetzungen zur Kurzarbeit erfüllt werden. Genauere Informationen zum Thema Kurzarbeit finden Sie zum Beispiel auf den Seiten der Arbeitsagentur.

Allerdings werden auch die KVen die Praxen unterstützen, wenn es erhebliche Verdienstausfälle gibt, ein entsprechender Gesetzentwurf ist derzeit vorgelegt. Diese Stützmaßnahmen greifen aber nur dann, wenn Sie die Praxis nicht vollständig schließen.

Was mache ich mit neuen PatientInnen, die nicht in die Praxis kommen können?

Hierfür gibt es nun eine Neuregelung, zunächst zeitlich begrenzt bis zum 30.6.2020.

Die Verbände haben sich mit Erfolg dafür eingesetzt, um die Möglichkeit der Videobehandlung auch für den Erstkontakt Psychotherapeutische Sprechstunde zuzulassen.

Das ist nun gelungen!

Nicht vergessen: Mit V kennzeichnen, außerdem die 01450 zufügen und bei auschließlichem Videokontak im Quartal die Pseudo-GOP 88220 honzufügen.

Übrigens: Was auf alle Fälle immer per Videokonferenz erbracht werden kann, das sind die 10-Minuten-Gesprächsziffern der Fachkapitel.

Gibt es konkrete Hinweise zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen für psychotherapeutische Praxen?

Die gibt es: Links dazu finden Sie unten.

Generell gilt weiterhin: soweit es die äußeren Umstände erlauben, müssen wir PsychotherapeutInnen physisch für Patientinnen und Patienten erreichbar bleiben. Insbesondere in Akutfällen und gerade in Zeiten, die die psychische Belastbarkeit zunehmend herausfordern, ist eine therapeutische Konstante auch vor Ort besonders wichtig, betont die KBV. Die Durchführung von Gruppentherapien ist weiterhin zulässig, da es sich hierbei um medizinisch notwendige Maßnahmen handelt. Ob eine Durchführung weiterhin zumutbar ist, müssen wir TherapeutInnen selbst abwägen. Das heißt natürlich. kritisch prüfen, ob es unter Beachtung des Infektionsschutzes möglich ist. Um Infektionsrisiken in den Praxen zu reduzieren (z. B. durch Hygiene-Regeln) sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Hilfreiche Informationen sind auf den Informationsseiten der KBV, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Robert Koch-Institutes (RKI) zu finden:

Allgemeine Informationen zu Hygiene-Regeln des BZgA

Informationsseite der KBV zum Coronavirus

Informationsseite der KBV zur Videosprechstunde

Hygienemaßnahmen für nicht-medizinische Einsatzkräfte (Info-Grafik des RKI):

› Häufige Fragen beantwortet das RKI

Lesen Sie dazu auch unsere FAQ: „Müssen Psychotherapeuten Masken tragen?