FAQ Hygiene

Gilt in Bayern die Maskenpflicht für psychotherapeutische Praxen?

von Ingrid Kaech
  • 11. November 2020

Seit 11. Mai 2020 gilt entsprechend der Bayerischen Infektionsschutz-maßnahmenverordnung (BayIfSMV) auch in psychotherapeutischen Praxen die Verpflichtung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen (sog. Maskenpflicht). Zudem ist durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass grundsätzlich ein Mindestabstand von 1,5 m eingehalten werden kann.

Zur Maskenpflicht gibt es in der Verordnung folgende allgemeine Ausnahmen:

  1.  Kinder sind bis zum sechsten Geburtstag von der Tragepflicht befreit.
  2. Personen, die glaubhaft machen können, dass ihnen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung, aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist, sind von der Trageverpflichtung befreit.
  3.  Das Abnehmen der Mund-Nasen-Bedeckung ist zulässig, solange es zu Identifikationszwecken oder zur Kommunikation mit Menschen mit Hörbehinderung erforderlich ist.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat in einem Verfahren allerdings anerkannt, dass das therapeutische Behandlungsziel von psychotherapeutischen Behandlungen durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf Seiten der Therapeuten und/oder der Patienten gefährdet sein kann. Daher bedürfe es zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht neben den in § 1 BayIfSMV geregelten allgemeinen Ausnahmen (z.B. gesundheitliche Gründe) eines weiteren speziellen Ausnahmetatbestands. Ein solcher sei in § 12 Abs. 3 BayIfSMV formuliert. Danach entfällt die Maskenpflicht in Praxen auch, „soweit die Art der Leistung sie nicht zulässt“.

Die Einschätzung der Psychotherapeutenkammer Bayern dazu:
Die Abdeckung des Mund-Nase-Bereiches des Gesichtes stellt aus fachlicher Sicht eine Beeinträchtigung psychotherapeutischer Behandlungen dar. Die Abdeckung von Mund und Nase kann für manche Patient*innen verunsichernd wirken, die erforderliche Einschätzung kritischer Entwicklungen bei Patient*innen einschränken und nonverbale Interventionsmöglichkeiten der/des Psychotherapeut*in erschweren oder unmöglich machen.
In diesen Fällen kann es sein, dass die fachlich korrekte Durchführung von Psychotherapie nicht mehr möglich ist. Eine Mund-Nase-Bedeckung steht einer psychotherapeutischen Behandlung jedoch nicht grundsätzlich entgegen.
Die / Der behandelnde Psychotherapeut*in hat daher jeweils im individuellen Fall die fachliche Einschätzung vorzunehmen, ob die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen unter Beachtung der Maskenpflicht fachlich korrekt durchgeführt werden können. Diese Einschätzung kann zu dem Ergebnis führen, zur Gewährleistung einer fachgerechten Behandlung auf die Mund-Nasen-Bedeckung während der Sitzung verzichten zu müssen. In einem solchen Fall wäre dann auch ein informiertes Einverständnis mit der Patientin/dem Patienten bzw. deren/dessen Personensorgeberechtigten herzustellen. Im Falle der Abweichung von der Maskenpflicht sollte die jeweilige fachliche Begründung und das eingeholte Einverständnis der Patientin/des Patienten in der Patientenakte dokumentiert werden.

 

Stand: 11.11.2020

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Ingrid Kaech

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