Im Fokus

Der bvvp ist nicht nur eine Organisation, die Sie in allen Belangen Ihrer psychotherapeutischen Arbeit unterstützt – hier treffen Sie auch auf Menschen, die deutschlandweit mit Kopf und Herz dafür kämpfen, dass Ihre Interessen vertreten werden! Wir stellen sie vor, nehmen aktuelle Themen in den Blick und geben Servicetipps rund um Ihren Praxisalltag.

Drei Fragen an Mathias Heinicke, Vorstandsmitglied und Digitalisierungsexperte im bvvp, zur e-Evidence-Verordnung

Drei Fragen an Mathias Heinicke, Vorstandsmitglied und Digitalisierungsexperte im bvvp, zur e-Evidence-Verordnung
Was ist eigentlich die „Europäische Herausgabe- und Sicherungsanordnung für elektronische Beweismittel in Strafsachen“ (kurz: e-Evidence-Verordnung) und in welcher Weise betrifft sie uns Psychotherapeut*innen?

Es geht dabei um eine EU-Verordnung, die es Ermittlungsbehörden aller EU-Staaten ermöglichen soll, freien Zugriff auf Daten von Internetunternehmen zu bekommen. Wenn sie durchkommt, kann beispielsweise ein Staatsanwalt aus Italien eine Anfrage direkt an einen deutschen Provider wie die Deutsche Telekom stellen und kann auf sämtliche persönliche Daten einer Person zugreifen – von Mails und Chatverläufen bis hin zu medizinischen Daten. Und das ohne, dass die Person selbst oder jene, die Daten über diese Person speichern, darüber auch nur informiert werden. Damit sind auch alle, die berufsbedingt Geheimnisträger sind, von dieser Regelung mitbetroffen. Noch ist nicht definiert, nach welchem Raster die Daten abgefragt werden können, aber der Rahmen wird wahrscheinlich weitreichend sein.

Wie hängt diese Verordnung mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) zusammen?

Die ePA ist im Kern eine Cloudlösung. Die ist zwar verschlüsselt und gut gesichert gegen Hackerangriffe, aber natürlich nicht vor Zugriffen durch den Provider selbst geschützt. Damit wird eine Hintertür geöffnet.

Ist es überhaupt jetzt noch möglich, dagegen Einfluss zu nehmen – und wenn ja, wie?

Aktuell gibt es noch keinen Konsens im EU-Parlament, die Zustimmung des europäischen Rates fehlt noch. Das Bundesgesundheitsministerium und die Europa-Abgeordneten können also noch Einfluss nehmen. Die Frage ist nur, ist das politisch überhaupt gewollt? Offiziell geht es ja darum „nur Straftaten zu verhindern“. Die KBV hat bei der EU Vertretung Alarm geschlagen und auch der Deutsche Ärztetag hat eine Resolution zu diesem Thema verabschiedet. Aber es ist fünf vor zwölf. Wenn die Verordnung kommt, müssen wir unsere Patienten und Patientinnen transparent dazu beraten, was sie in ihre ePA aufnehmen lassen sollten, und was vielleicht lieber nicht.

Zahl des Monats

48 Prozent

So hoch ist die Ablehnungsquote von Kostenerstattungsanträgen für private Psychotherapie durch die gesetzlichen Krankenkassen. Als Grund für die Ablehnung wird dabei häufig auf die Terminservicestellen der Krankenkassen verwiesen oder auf Behandlungsalternativen, wie digitale Gesundheitsanwendungen.

Quelle

Der bvvp in Aktion

Der bvvp in Aktion

Wieder unterwegs …Gestern in Brandenburg beim verbändeübergreifenden Berufspolitischen Forum für Psychotherapeut*innen, das seit vielen Jahren einmal jährlich in Potsdam stattfindet – und noch immer stimmt diese Folie: Frustrierend! Aber ein guter Grund, dranzubleiben!

Der bvvp in Aktion

Im Gespräch

Mobile Kartenterminals: Kostenerstattung auch für Psychotherapeuten

Psychotherapeut*innen können seit 13. Januar 2022 eine Kostenerstattung für ein mobiles Kartenterminal erhalten. Möglich ist dies, wenn sie das Gerät für probatorische Sitzungen im Krankenhaus oder für gruppenpsychotherapeutische Leistungen außerhalb der eigenen Praxisräume benötigen. Der Anspruch wurde rückwirkend ab Oktober 2021 erweitert. Mit einem mobilen Kartenterminal kann die elektronische Gesundheitskarte von Versicherten auch dann eingelesen werden, wenn diese außerhalb der Praxisräume behandelt werden. Erstattung gibt es natürlich nur, wenn man dann die benannten Leistungen auch tatsächlich abrechnet. Mehr Infos dazu finden Sie bei der KBV.


Info des Monats

UPD weist auf Regeln für Kassen zur telefonischen Kontaktaufnahme hin

Versicherte, die Krankengeld beziehen, dürfen nur mit ihrer Einwilligung telefonisch von ihrer Krankenkasse kontaktiert werden. Darauf hat die Unabhängige Patientenberatung (UPD) anlässlich eines Rundschreibens des Bundesamts für Soziale Sicherung (BAS) an Krankenkassen hingewiesen. Diese Information im Ärzteblatt ist auch im Zusammenhang mit den Einmischungen von Krankenkassen in die psychotherapeutische Behandlung von Bedeutung.