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Der bvvp ist nicht nur eine Organisation, die Sie in allen Belangen Ihrer Arbeit unterstützt – hier treffen Sie auch auf Menschen, die mit Kopf und Herz dafür kämpfen, dass Ihre Interessen vertreten werden! Wir stellen sie vor, nehmen aktuelle Themen in den Blick und geben Servicetipps.

Drei Fragen an Ulrike Böker, Vorstandsmitglied im bvvp, zur Wahl der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg

Drei Fragen an Ulrike Böker, Vorstandsmitglied im bvvp, zur Wahl der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg
Sie haben die Wahl mit hoher Stimmenzahl gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wie zufrieden sind Sie mit den Wahlergebnissen in Baden-Württemberg insgesamt?

Für mich persönlich ist das Ergebnis ein toller Erfolg und eine große Wertschätzung meines berufspolitischen Engagements – ich bin zum zweiten Mal Stimmenkönigin bei den PP und KJP geworden. Es ist außerdem sehr erfreulich, dass unsere gemeinsame Liste mit der DGPT und der VAKJP, das Psychotherapeutenbündnis, mit 55 Prozent wieder die absolute Mehrheit erzielt hat. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass der bvvp nicht mehr – wie bisher – zwei der drei Sitze besetzen wird, die der Liste nun in der Vertreterversammlung zustehen. Das hätte ich mir anders gewünscht. Aber ich bin überzeugt, dass alle Vertreter der PP und KJP, zusammen mit den beiden ärztlichen Psychotherapeutinnen, die einen Sitz erzielen konnten, gut zusammenarbeiten werden zum Wohle aller Psychotherapeut*innen in der vertragsärztlichen/-psychotherapeutischen Versorgung.

Warum ist es so wichtig, dass sich Mitglieder im bvvp aktiv an den KV-Wahlen beteiligen – ob als Kandidat*innen oder mit ihrer Stimme?

Was mich wirklich sehr entsetzt hat, das ist der massive Rückgang der Wahlbeteiligung. Bei der letzten Wahl vor sechs Jahren hatten wir eine Beteiligung von 62 Prozent, jetzt waren es gerade einmal 40 Prozent. Hier müssen wir dringend in die Analyse gehen, woran das liegt. Die Selbstverwaltung ist ein hohes Gut, das sich mit einem hohen demokratischen Votum legitimieren sollte. Die Psychotherapeut*innen können in den Gremien viel Einfluss nehmen, sie sind insbesondere auf Bundesebene in der KBV bestens aufgestellt, haben außerdem zusammen mit der Bundespsychotherapeutenkammer eine schlagkräftige Interessensvertretung, um die sie von allen anderen Arztgruppen beneidet werden. Insofern finde ich es bedauerlich, dass sich dies nicht in einer hohen Wahlbeteiligung spiegelt. Man muss sich natürlich auch immer wieder klar machen, dass die Psychotherapeut*innen nur eine von vielen Fachgruppen sind und Politik immer bedeutet, dass Kompromisse ausgehandelt werden müssen. Das ist vielleicht nicht jedem so richtig klar. Auch für Schikanemaßnahmen der Politik, wie die TI-Sanktionen, kann die Selbstverwaltung nichts, und alle leiden darunter. Wenn man sich die Entwicklungen im Honorar und anderen Bereichen der Psychotherapeut*innen anschaut, dann haben wir aber extrem viele Erfolge zu verzeichnen. Dies sind nur möglich durch das hohe Engagement der berufspolitisch Aktiven. Ich würde mir deshalb sehr wünschen, dass der Nachwuchs sich auch engagiert und auf die Rahmenbedingungen des Arbeitens Einfluss nimmt.

Worin sehen Sie nach der Wahl Ihre Hauptaufgaben in der KV-Vertreterversammlung? Was ist Ihnen besonders wichtig?

Wir gehen auf eine wirklich herausfordernde Legislaturperiode zu. Bei den Fachärzt*innen und insbesondere bei den Hausärzt*innen ist die Sicherstellung der Versorgung vielerorts gefährdet. Das hat verschiedene Gründe und wird dramatisch verstärkt durch den Mangel an MFAs. Hinzu kommt, dass sich die Krankenkassen tatsächlich in einer wirtschaftlich katastrophalen Situation befinden. Das Solidarsystem hat letztlich bewiesen, dass es nicht mehr funktioniert. Das ist äußert bedrohlich, denn die gute medizinische Versorgung ist ein wichtiger Pfeiler für den sozialen Frieden. Bei uns Psychotherapeut*innen sieht es (noch) anders aus mit dem Nachwuchs. Hier würde ich mir wünschen, dass man sie als wichtige Ressource statt als potenzielle Bedrohung sieht. Psychotherapie wirkt, ist kostengünstig und kann möglicherweise sogar andere Versorgungszweige entlasten. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass sich die Psychotherapeut*innen mehr als Versorger*innen verstehen müssen, die eine Gesamtverantwortung für Menschen mit psychischen Erkrankungen haben. Ein wichtiger Schritt dahin kann die neue Komplexrichtlinie sein, die maßgeblich von der KV unterstützt werden muss. In welcher Form das am besten stattfinden kann, das müssen die Gremienvertreter*innen dann aushandeln und begleiten, das ist also eine wichtige Aufgabe in den nächsten Jahren. Neben vielen anderen Themen – nennen möchte ich hier noch die zukünftige Weiterbildung in den Praxen – ist es immer wieder wichtig, auf die besonderen Praxisstrukturen und Arbeitsweisen der Psychotherapeut*innen hinzuweisen. Auch das sehe ich als eine meiner wichtigen Aufgaben,neben dem Schutz des therapeutischen Behandlungsraums und der therapeutischen Beziehung vor Eingriffen jedweder Art.

Zahl des Monats

48 Prozent

So hoch ist die Ablehnungsquote von Kostenerstattungsanträgen für private Psychotherapie durch die gesetzlichen Krankenkassen. Als Grund für die Ablehnung wird dabei häufig auf die Terminservicestellen der Krankenkassen verwiesen oder auf Behandlungsalternativen, wie digitale Gesundheitsanwendungen.

Quelle

Der bvvp in Aktion

Der bvvp in Aktion

Unterwegs zum GK II-Treffen nach Berlin: GK II steht für „Gesprächskreis zwei“. In ihm sind nahezu alle deutschen psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbände organisiert. Hier werden aktuelle Themen der Psychotherapie diskutiert, Vorschläge erarbeitet und Resolutionen verabschiedet. Eines der wichtigen Themen: die unzureichende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.

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Info des Monats

Aktualisierte Praxis-Info der BPtK zur E-Patientenakte (ePA)

Psychotherapeut*innen können sich in der aktualisierten Praxis-Info der BPtK zur E-Patientenakte (ePA) darüber informieren, wie die ePA im Praxisalltag eingesetzt werden kann. Diese gibt wichtige Hinweise zur differenzierten Aufklärung von Patient*innen. >>Zur Praxis-Info.